Schematheorie

 

(= S.) [engl. schema theory, gr. σχήμα (schema) Gestalt, Form, Haltung], [KOG], ist die Theorie zum Erwerb und zur Veränderung von Schemata im sensorischen Gedächtnis, im Kurzzeit- und im Langzeitgedächtnis (deklaratives und prozedurales Wissen, Wissensdiagnostik) eines Individuums. Schemata sind übergeordnete kogn. Strukturen von Gegenständen, Situationen und Inhalten, die das Verstehen gewährleisten, indem neu wahrgenommene Informationen einem adäquaten Schema zugeordnet werden. Zugleich werden dadurch die neuen Informationen für das kogn. System zugänglich, abrufbar und erweiterbar gemacht (Informationsverarbeitung). Damit einher geht ein Reduktionsprozess: Umfangreiche Informationen werden an den adäquaten Stellen hinzugefügt bzw. zu einer übergeordneten Struktur zus.gefasst. Diese Prozesse laufen in der alltäglichen Wahrnehmung des Individuums unbewusst ab. Damit lenken Schemata bei der Wahrnehmung die Aufmerksamkeit: Um Objekte aus der Umwelt wahrzunehmen, werden best. Schemata aktiviert, die das Wahrgenommene in der Weise strukturieren, dass die Informationen kogn. verarbeitet werden können. Damit ist der jew. Kontext, in dem Teile eines Objekts wahrgenommen werden, für deren Interpretation zentral. Zugleich wird die Aufmerksamkeit der Individuen durch die Instanziierung von Schemata selektiv gelenkt (Anderson & Pearson, 1984). Da Schemata auch Leerstellen umfassen, die durch jew. Kontexthinweise adäquat ausgefüllt werden können, wird der Verarbeitungsaufwand auf wenige Informationen reduziert. Darüber hinaus unterstützen Schemata die Integration und Erinnerung von Wissen: Sobald ein Schema instanziiert wird, können die neuen Informationen besser wiedergegeben werden. Je elaborierter gemäß der S. ein Schema ist, umso leichter fällt die Integration neuen Wissens (Wissenserwerb). Auch die Verarbeitung und Wiedergabe von Informationen erfolgt schemakonsistent. Die S. bezieht sich nicht nur auf das kogn. System, sondern auch auf das prozedurale System (z. B. Ablauf eines Restaurantbesuchs = Skript) und das motorische System (Lernen, motorisches), z. B. dem Lernen des Fahrradfahrens.

Verwendete Literatur

Sie sind schon registriert? Zur Anmeldung
Erstellen Sie einen Account um das komplette Literaturverzeichnis einzusehen.