Schizoaffektive Störung

 

(= S.) [engl. schizoaffective disorder; gr. σχίζειν (schízein) (ab)spalten, lat. affectus Gemütslage], [KLI], bei der S. handelt es sich nach ICD-10 (Klassifikation psychischer Störungen) um episodische Störungen, bei denen «sowohl affektive als auch schizophrene Symptome in derselben Krankheitsphase auftreten, meist gleichzeitig, oder höchstens durch einige Tage getrennt». Sie werden dort im Subkapitel F2 (Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen; s. Anhang I) aufgeführt. Anders als oft bei der Schizophrenie bleibt nach Abklingen der Phase gewöhnlich keine Symptomatik zurück, und es entwickelt sich nur selten ein Residuum. Beim manischen Typ (Manie) der schizoaffektiven Psychose (oder in ICD-10-Terminologie: bei der schizoaffektiven Störung, gegenwärtig manisch) ist die Stimmung gehoben, «begleitet von vermehrtem Selbstbewusstsein und Größenideen». Gelegentlich stünden «aber auch Erregung und Gereiztheit mit aggressivem Verhalten (Aggression, klinische Perspektive) und Verfolgungsideen im Vordergrund». Hinzu kommen typischerweise klassische schizophrene Symptome wie das Gefühl der Gedankeneingebung und -ausbreitung, die Vorstellung, von fremden Kräften kontrolliert zu werden, Stimmenhören oder bizarre Wahnideen (Wahn). In den schizodepressiven Episoden finden sich neben den genannten schizophrenen Symptomen Zeichen einer depressiven Symptomatik (Depression, etwa Antriebsverlust, Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit). Während schizomanische Episoden meist akut beginnen, augenfällige Symptomatik zeigen, aber innerhalb weniger Wochen sich i. d. R. vollständig zurückbilden, sind schizodepressive Episoden oft weniger ausgeprägt, dafür länger andauernd mit eher ungünstigerer Prognose; in einzelnen Fällen kann sich ein schizophrenes Residuum entwickeln.

Diese Diagnose wurde früher eher selten gestellt, dies sicher nicht zuletzt unter der auf Kraepelin zurückgehenden Vorstellung, dass Schizophrenie und affektive Störungen grundsätzlich versch. nosologische Entitäten seien. Mittlerweile ist das Konzept dieser «Mischpsychosen» verbreiteter. So wurde bspw. die engl. Romanautorin Virginia Woolf lange als bipolar gestört diagnostiziert, während ihre Wahnvorstellungen und Wahrnehmungen eindeutig schizophrenen Charakter hatten. Insofern ist bei ihr die Diagnose schizoaffektive Störung sicher korrekter.

Die nosologische Stellung (Nosologie) der S. ist unklar, ihre biol. Grundlagen (etwa beteiligte Transmittersysteme, genetische Determinierung; Genetik) bleiben vorläufig weitgehend im Dunklen. Auch bzgl. Therapie sind die Empfehlungen nicht einheitlich: Zur Akutbehandlung werden vornehmlich atypische Antipsychotika empfohlen – wobei Personen mit S. möglicherweise bes. anfällig für die mit diesen Medikamenten assoziierten metabolischen Störungen sind. Der Einsatz von Antidepressiva, Lithium und Antikonvulsiva bei Akutbehandlung und Prophylaxe wird kontrovers diskutiert. Schizoaffektive Störung, Pharmakotherapie.

Referenzen und vertiefende Literatur

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