Schlafstörungen, Psychopharmakotherapie

 

(= S.) [engl. sleep disorders, psychopharmacotherapy], [KLI, PHA], eine Vielzahl von Arzneimitteln kommt als Schlafmittel (Hypnotika) zur Anwendung. Unter diesen spielen die Substanzen, die spezif. an die Benzodiazepin-Bindungsstelle des GABA_{A}-Chloridionenkanalkomplexes (GABA-A-Rezeptor) binden und damit die Leitfähigkeit des Kanals erhöhen, die bedeutsamste Rolle. Dazu zählen die Benzodiazepine (auch Benzodiazepinrezeptor-Agonisten) und die Non-Benzodiazepin-Hypnotika (sog. Z-Substanzen), die ebenfalls an die Benzodiazepin-Bindungsstelle binden, aber strukturchemisch keine Ähnlichkeit mit den Benzodiazepinen aufweisen. Unter der Vielzahl der verfügbaren Benzodiazepine ist nur der kleinere Teil auch als Hypnotikum zugelassen. Letztere weisen i. d. R. eine kürzere Eliminationshalbwertszeit und keine aktiven Metaboliten auf (Ausnahmen: Flunitrazepam und Flurazepam). Die Z-Substanzen ZaleplonZolpidem und Zopiclon unterscheiden sich vor allem hinsichtlich ihrer Eliminationshalbwertszeit und damit in ihrer Wirkdauer. Sie binden präferenziell an Benzodiazepinrezeptoren mit einer α1-Untereinheit und wirken damit ausschließlich hypnotisch und – anders als Benzodiazepine – nicht anxiolytisch. Gewöhnung, Missbrauch und Abhängigkeit werden unter ihnen seltener als unter Benzodiazepinen beobachtet. Benzodiazepine und Z-Substanzen haben über einen Zeitraum von einigen Wochen einen pos. Effekt auf den Schlaf. Sie können v. a. bei vorübergehenden Schlafstörungen angewendet werden. Bei langfristiger Einnahme besteht jedoch die Gefahr einer Abhängigkeit, sodass die Substanzen nicht länger als 3 Monate verschrieben werden sollten. In den Fällen, in denen Insomnien einen chronischen Verlauf nehmen, sollte die Indikation für die Behandlung mit einer dieser Substanzen allerdings zurückhaltend gestellt werden, auch weil es keine Evidenz dafür gibt, dass Benzodiazepinrezeptor-Agonisten einen pos. Effekt haben, der über den Behandlungszeitraum hinausgeht. Alternativen zu Benzodiazepin- und Non-Benzodiazepinhypnotika sind Antihistaminika sowie best. Antidepressiva und Antipsychotika. Die beiden letztgenannten Substanzgruppen wirken einerseits ebenfalls hypnotisch, wenn sie H_{1}-Histaminrezeptoren antagonisieren, andererseits wenn sie 5-HT2-serotoninrezeptorantagonistische Eigenschaften aufweisen. Nachteile ihrer Anwendung stellen die substanzspezif. unerwünschten Wirkungen dar, die sich z. T. wiederum aus ihren pharmakol. Profilen erklären lassen. So sind H1-Antagonisten regelmäßig mit einer Gewichtszunahme assoziiert. Antipsychotika sollten nur mit großer Zurückhaltung als Hypnotika eingesetzt werden, da sie auch in niedrigen Dosierungen langfristig zu Spätdyskinesien führen können. Serotonerge Antidepressiva können bei entspr. Prädisposition die Häufigkeit nächtlicher periodischer Beinbewegungen erhöhen, was sich neg. auf die Schlafqualität auswirkt. Die Aminosäure Tryptophan kann als Vorstufe des Serotonins andere Maßnahmen unterstützen. Melatonin ist nur bei Pat. über 55 Jahre und mit einer max. Behandlungsdauer von 13 Wochen zugelassen. Bei leichteren Schlafstörungen können auch Phytopharmaka gegeben werden. Diese enthalten Baldrian (Valeriana officinalis), Melisse (Melissa officinalis), Hopfen (Humulus lupulus), Passionsblume (Passiflora), Hafer (Avena sativa) oder auch Kombinationen dieser Pflanzenextrakte. Ihr Wirkmechanismus ist meist unklar und ihre Wirkung weniger gut evaluiert als jene von synthetischen Hypnotika.