Schlaftiefe, Schlaftiefenmessung

 

(= S.) [engl. depth of sleep], [BIO], die S. (Schlaf) wird üblicherweise durch Messung der Weckschwelle bestimmt. Sie wird operational definiert auf der Basis des Widerstandes, den der Organismus einer Unterbrechung des Schlafes entgegensetzt. Ist ein Individuum durch gegebene Sinnesreize (Reiz) nur schwer zu wecken, wird angenommen, dass es tief schläft, andernfalls leicht. Nach dieser Methode ist der Schlaf im ersten Drittel der Nacht tiefer (hohe Weckschwelle) als im zweiten und in diesem wiederum tiefer als im dritten (niedrige Weckschwelle). Bei älteren Apparaten wurden Schallreize durch Metallkugeln oder Fallpendel ausgelöst, die man aus versch. Höhe auf eine Unterlage auftreffen ließ (Fallphonometer) und die je nach der Höhe der Fallstrecke versch. starke Geräusche hervorbrachten. Heute verwendet man als Weckreize meist digitalisierte Geräusche von genau bestimmter Lautstärke. Auch Wärme-, Kälte-, Licht-, Berührungs- und elektrische Reize (Hautsinne (Tast-, Temperatur-, Schmerzsinn)) werden als Weckreize verwendet. Die Schlaftiefenmessung zu versch. Zeiten des Schlafs ergibt eine Schlaftiefenkurve. Außer der Bestimmung mithilfe von Weckreizen versucht man, die Schlaftiefe auch durch Registrierung der Körperbewegungen (Motorik) während des Schlafs zu erfassen, deren Häufigkeit sich umgekehrt zur Schlaftiefe verhält. Da die Weckschwellen-orientierte Def. unbefriedigend ist, finden sich in der Literatur verschiedene andere Ansätze. So lässt sich die Schlaftiefe z. B. aus der momentanen Form (Frequenz, Amplitude, Leistungsmaxima in gegebenen Frequenzbändern) des EEGs (Elektrodiagnostik, Enzephalographie) ermitteln. Die prinzipielle Weckbarkeit aus dem Schlaf variiert im Laufe der Nacht in Abhängigkeit von der sog. Schlaftiefe, als deren Maß üblicherweise die Weckschwelle bestimmt wird (Mindestintensität eines Weckreizes). Das «Abschalten» des Organismus gegenüber der Außenwelt im Schlaf geschieht einerseits durch verschiedene periphere Mechanismen (z. B. verengte Pupille, aktiver Lidschluss im Non-REM-Schlaf, aktiv induzierte Anspannung der Mittelohrmuskeln im REM-Schlaf) als auch durch zentrale Hemmung afferenter Impulse. Die Höhe der Weckschwelle bzw. der Schlaftiefe ist abhängig vom Schlafstadium, dem Zeitpunkt der Nacht, dem zirkadianen Effekt (circadian), der vorausgegangenen Wachdauer, dem Alter und von pharmakogenen Einflüssen (Hypnotika erhöhen, Stimulanzien erniedrigen die Weckschwelle). Spontanes Erwachen tritt deutlich häufiger aus dem REM- als dem Non-REM-Schlaf auf, sodass angenommen wird, dass der REM-Schlaf mit seiner ausgeprägten vegetativen und zentralnervösen Aktiviertheit physiol. gesehen optimale Bedingungen für den Übergang vom Schlaf zum Wachzustand darstellt.

Verwendete Literatur

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