Schließen, analoges

 

(= a. S.) [engl. analogical reasoning; gr. ἀνάλογος (analogos) entsprechend], [KOG], ist eine Schlussfolgerungsmethode, bei der auf der Grundlage einer Verknüpfung zw. den Repräsentationen zweier Sachverhalte Wissen von einem bekannten Sachverhalt, dem Quellbereich, auf einen anderen, häufig weniger bekannten Sachverhalt, den Zielbereich, übertragen wird, um ein best. Verständnis des Zielbereichs zu erzeugen (z. B. Finanzinvestoren als Heuschrecken) oder um beim Problemlösen Wissenslücken im Zielbereich zu schließen (z. B. Übertragung des Lösungswegs). Zentral für das Gelingen von a. S. sind (1) der Abruf geeigneter Quellsachverhalte aus dem Gedächtnis, (2) die Bestimmung systematischer Korrespondenzen zw. den beiden Bereichen durch Abb. von Elementen und der zwischen ihnen geltenden Relationen, und (3) der auf (2) basierende Transfer von Wissen (z. B. Lösungswegen) vom Quell- in den Zielbereich. Dem a. S. liegt die Erwartung zugrunde, dass sich zwei Sachverhalte, die sich in einigen Aspekten ähneln, auch in anderer Hinsicht ähnlich verhalten. Während (1) stark von der Oberflächenähnlichkeit der Ziel- und Quellbereiche abhängt, d. h. von der Übereinstimmung perzeptueller bzw. inhaltlicher Merkmale ihrer Elemente, ist für den Erfolg von (2) und (3) das Erkennen und Nutzen von strukturellen Ähnlichkeiten zw. den Bereichen wesentlich, d. h. von Ähnlichkeiten bzgl. der zugrunde liegenden Struktur bzw. des (abstrakten) Prinzips. Letzteres gilt insbes. für ferne Analogien, bei denen Quell- und Zielbereich aus unterschiedlichen Wissensdomänen stammen, und für nahe Analogien aus der gleichen Wissensdomäne, bei denen Oberflächenmerkmale und Tiefenstruktur unabh. sind (z. B. math. Textaufgaben). Da a. S. einer Vielzahl von Leistungen des Denkens, des Lernens und der Sprache zugrunde liegt, wird es als zentrales Merkmal von Intelligenz angesehen und in Subskalen einiger Intelligenztests mit erfasst.

Referenzen und vertiefende Literatur

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