Schlüsselreiz

 

(S.) [engl. key stimulus], [KOG], (biol.) Einzelreiz oder Reizmuster, das bei Wahrnehmung eine best., meist angeborene Verhaltensweise (Verhalten) auslöst. S. wird in der Ethologie als Auslöser verstanden, der jew. einem ganz bestimmten (vielfach) angeborenen Auslösemechanismus (AAM) zugeordnet ist, den er auslösen kann und zu dem er wie ein Schlüssel zum Schloss passt. Die Pute erkennt ihr Küken nur am Piepen (mit dem Gehör!) und hudert einen ausgestopften Iltis, in dem ein Lautsprecher nach Jungenart piept. Sie tötet dagegen die selbst erbrüteten Jungen, wenn sie taub ist. S. gelten für das Tier auch nur in einem best. Funktionskreis: Damit die Silbermöwe ein Ei einrollt (ins Nest), muss es gefleckt sein. Für den Eiraub dagegen ist dieses Merkmal ohne Bedeutung. Der Samtfalter beachtet die Farben Blau und Gelb als Schlüsselreize beim Blütenbesuch. Bei der Balz dagegen verhält er sich farbenblind. Charakteristisch für S. ist, sie sind (1) einfach (bestehen aus wenigen Merkmalen), (2) auffällig, (3) eindeutig. Sie können unterschiedlichster Modalität sein, z. B.: visuell (eine Farbe, eine Bewegungsabfolge), akustisch (ein Warnruf), chemisch (ein Pheromon), taktil: (Erschütterung des Nestes; durch landende Eltern wird bei blinden Amselnestlingen das Sperren der Schnäbel ausgelöst, während dann Farbe und Farbmuster der geöffneten Schnäbel der Jungen bei den Elterntieren das Füttern auslösen.) Der verhaltensauslösende Reiz ist gewissermaßen abstrakt: Nicht «das Weibchen» wird als Auslöser für Balzverhalten wahrgenommen, sondern eine best. arttyp. Färbung an einem tierartigen Objekt oder ein best. Balzgesang. Welche Bestandteile der Gesamtwahrnehmung die wirksamen S. sind, wird mithilfe von Attrappen im Attrappenversuch analysiert.

Referenzen und vertiefende Literatur

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