Schulpsychologie

 

(= S.) [engl. school psychology], [PÄD], die S. umfasst Forschung und Praxis des Tätigkeitsfeldes von Schulpsychologen. Der Berufsverband BDP benennt die Aufgaben der S. wie folgt: S. unterstützt und berät Einzelne und Gruppen (Lehrerkollegien, Schulklassen, Schüler, Eltern, Lehrkräfte, Schulleitungen und Schulaufsicht), S. unterstützt bei Fragen, die sich aus dem Lehren und Lernen in der Schule ergeben (Lern-, Entwicklungs- und Verhaltensprobleme von Schülern, Förderung indiv. Begabungen, Entwicklung von Fördermaßnahmen, Bewältigung von Krisen, Personalentwicklung von Lehrkräften, Schulentwicklung, Stärkung der Kompetenzen von Lehrenden und Lernenden; Belastung, psychische, Lehr-Lern-Methoden, Lehr-Lern-Prozesse, Unterrichtsforschung), S. unterstützt im schulischen Kontext die Information und Beratung der Öffentlichkeit und Politik zu Fragen der schulischen Erziehung, Bildung und Schulentwicklung, die Entwicklung von präventiven Maßnahmen in Schulen sowie Maßnahmen zur Fortbildung und zum Erhalt der Gesundheit von Lehrkräften (Gesundheitsförderung, schulische. Im Unterschied zur Pädagogischen Psychologie stehen konkret praktische Handlungsmöglichkeiten im schulischen Alltag im Vordergrund, seltener grundwiss. Fragen. S. ist politisch und gesellschaftlich eine Reaktion auf das Entstehen von dysfunktionalen Problemen im Schulsystem. Allein die behandlungsbedürftigen Schüler mit externalisierenden und internalisierenden psychischen Störungen (psychische Störung) werden, nach Abzug der Spontanremissionen (Persistenzraten), auf rund 10% geschätzt.

Internat. hat sich die wechselseitige Nichtaustauschbarkeit der Beratungs- und Assistenzkräfte durchgesetzt: S. haben andere Aufgaben als Beratungslehrer (school counselors, Beschäftigung mit schulfachlichen Themen) und Sozialarbeiter/Sozialpädagogen (social worker, Themen der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit, vorrangig tätig in Pausen und im Ganztag). Schulpsychologen zeichnen sich durch mehr Expertise in der Diagnostik und Verhaltensanalyse, in Störungsbildern, in Forschungsmethoden und durch die Fähigkeit, die internat. Forschung kritisch auf Anwendbarkeit zu prüfen und auf evidenzbasierte praktische Anwendungen zu achten (Evidenzbasierung), aus. Schulpsychologen können die Terminologie und die stat. Methoden verstehen und anwenden, sie können engl.sprachige Fachartikel lesen, also am internat. Forschungsfortschritt teilnehmen. Beratungsstellen der S. haben deshalb andere Aufgaben als die Erziehungsberatung. Als problematisch werden – wie in den anderen Berufen – Etikettierungsprobleme (durch Aufsuchen von Beratung der S.) und Vertraulichkeitsprobleme (als potenzielles Kooperationsproblem) eingeschätzt. S. arbeitet internat. in enger Kooperation mit Schule, weshalb praktische Erfahrungen in und mit Schule zusätzlich zum Ps.studium erforderlich sind. Früher wurde gar ein Doppelstudium Lehramt und Ps. verlangt. International werden eigenständige universitäre Ausbildungsgänge bzw. BA- und MA-Abschlüsse für die S. gefordert bzw. längst angeboten, in Dt. sind Anfänge gemacht (z. B. Uni Hildesheim). Auch Promotionsstudiengänge werden internat. gewünscht.

Die internat. empfohlene Mindestausstattung mit Schulpsychologen (1:5000) wird in Dt. in den meisten Bundesländern (Durchschnitt 1:16000) nicht erreicht, von der Ausstattung der skandinavischen Länder (z. B. Dänemark 1:800) sind alle Bundesländer weit entfernt. Die Effektivität der S. für ein Bildungssystem kann durch die Evidenzbasierung der Beratungs- und Therapiemethoden in der Ps. ermittelt werden. Allerdings ist dabei auf deren richtige Anwendung (treatment integrity) zu achten. Zumeist kann Einzelpersonen im Schulsystem so geholfen werden, dass rund 70% der Treatment-Gruppe nachher besser als die Kontrollgruppe sind.

Referenzen und vertiefende Literatur

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