Selbstbestimmung/Selbstbestimmungstheorie

 

(= S.) [engl. self-determination theory], [EM], in den 1980er-Jahren von Deci und Ryan entwickelte Motivationstheorie (Deci & Ryan, 1987; Ryan & Deci, 2000). In der Tradition früherer kogn. Motivationstheorien betrachtet die S. Motivation als intentionales Geschehen (Intention). Ihr Kernstück ist die Unterscheidung zw. selbstbestimmten, autonomen und fremdbestimmten, kontrollierten Handlungen (Handlung). Zw. diesen beiden Polen werden sechs Stadien der Verhaltensregulation unterschieden.

(1) Nicht-Regulation (Amotivation): keine Handlungsabsicht, da die Handlung keinen Wert besitzt, nicht zum gewünschten Ergebnis führt oder die Kompetenz dafür fehlt. (2) Externale Regulation (extrinsische Motivation, kontrolliert): Handeln aufgrund von äußerem Druck (Ansprüche, Belohnung, Bestrafung). Die Handlungsursache liegt außerhalb der Person. (3) Introjizierte Regulation (extrinsische Motivation, eher kontrolliert): Handeln aufgrund von innerem Druck (Selbstachtung, schlechtes Gewissen, Angst, Scham). Obwohl keine äußeren Anstöße nötig sind, wird die Handlung als von außen verursacht erlebt. (4) Identifizierte Regulation (extrinsische Motivation, eher autonom): Handeln aufgrund von bewusster persönlicher Wertschätzung. Obwohl man sich nicht vollst. damit identifiziert, wird die Handlung als selbst verursacht erlebt. (5) Integrierte Regulation (extrinsische Motivation, autonom): Die Handlung gehört zum Selbst und stimmt mit eigenen Werten (Werte) und Bedürfnissen (Bedürfnis) überein. Die Handlungsursache liegt in der Person selber. (6) Intrinsische Regulation (intrinsische Motivation, autonom): Die Handlung ist interessant (Interesse), macht Spaß und bereitet eine im Handeln selber liegende Befriedigung (Freude).

Der Prototyp der Selbstbestimmung, die intrinsische Motivation (intrinsische Motivation, Theorien), entsteht bei Tätigkeiten, für die ein inhärentes Interesse besteht, d. h., die den Charakter der Neuheit oder Herausforderung oder einen ästhetischen Wert besitzen. Intrinsische Motivation kann durch Wahlfreiheit gefördert, durch als Kontrolle wahrgenommene Umstände (z. B. Drohungen, Deadlines, Selbst- oder Fremdbeobachtung oder -beurteilung sowie best. Formen von Belohnungen oder Rückmeldungen) aber auch vermindert werden. Ist sie vorhanden, führt sie u. a. zu pos. Stimmung, Vertrauen, Kreativität, besserer Leistung und Persistenz sowie längerfristig auch zu besserer Selbstachtung, Wohlbefinden und Anpassung in versch. Lebensbereichen.

Sofern sie als selbstbestimmt erlebt wird, weist extrinsische Motivation ähnliche Eigenschaften auf wie intrinsische. Sind die verfolgten Intentionen jedoch nicht oder nur wenig internalisiert (Stufen 2 und 3), geht sie u. a. mit Anspannung, neg. Stimmung, schlechterer Leistung, ungünstigem Umgang mit Misserfolgen und geringerem Wohlbefinden einher. Eine Internalisierung geschieht i. d. R. dadurch, dass Verhalten, für das ursprünglich keine Motivation besteht, von wichtigen Bezugspersonen wertgeschätzt, vorgelebt oder gefordert wird. Dieses Verhalten wird dann umso eher internalisiert, je kompetenter man sich dabei fühlt und je selbstbestimmter man es zeigen kann. Daher spielt die Befriedigung der von der S. postulierten drei angeborenen, universellen Grundbedürfnisse nach Zugehörigkeit (Hoffnung auf Anschluss), Kompetenz (Leistungsmotiv) und Autonomie (Entwicklung, motivationale) eine entscheidende Rolle im Internalisierungsprozess. Entsprechend kann eine Nichtbefriedigung dieser drei Bedürfnisse autonomes Verhalten aber auch behindern und das Wohlbefinden senken. Regulation.

Referenzen und vertiefende Literatur

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