Selbsterkenntnis

 

(= S.) [engl. self-knowledge/-awareness], [KLI, PER], Hinwendung des Erkennens auf das eigene Ich. Das Selbst als eine gestaltete und überdauernde Vorstellung in der Erfahrung des Menschen wird auf seine Eigenarten untersucht (eigenes Sein, Verhalten, Anlagen, Fähigkeiten, Einstellungen, Motivationen). Diese Vorstellung hat ihre eigene Entwicklungsgeschichte und ist jedem Individuum in je für ihn einzigartiger Weise gegeben. Als Voraussetzung für die Entfaltung und Gestaltung der eigenen Persönlichkeit wurde S. schon bei den Griechen der Antike als Grundlage gefordert, wie es u. a. aus der Aufschrift des Apollotempels in Delphi hervorgeht: Gnothi seauton («Erkenne dich selbst»). Die S., das Innewerden des Selbst, beruht einerseits auf der Selbstbeobachtung, andererseits auf Rückempfindungen, die aus der Konfrontation des Menschen mit Problemen in seiner Umwelt und der zwischenmenschlichen Kommunikation erfasst werden. Trotz der berechtigten Forderung nach S. (Pascal, Kant) hat es an skeptischen Stimmen ihr gegenüber nie gefehlt (Goethe, Nietzsche), die auch auf die Neigung des Menschen hinweisen, sich (auch) vor sich selbst zu maskieren. Die Psychoanalyse hat diese Tatsache in hinreichenden Untersuchungen bestätigt. Das andauernde Bemühen um S. als Voraussetzung für ihren Berufsauftrag wird für die Pädagogen besonders von Langeveld, Spranger und Kerschensteiner, für die Psychologen besonders von Hector gefordert. Die tiefenpsychol. Schulen tragen seit Langem dieser Notwendigkeit Rechnung, indem sie von jedem auszubildenden Analytiker eine eigene Lehranalyse fordern. Die S., wie sie Hector vorschlägt, soll an kein Lehrsystem gebunden sein, mit der Übersicht über den eigenen Lebenslauf beginnen, äußere Situationen und seelische Umstände der persönlichen Entwicklung betreffen und so eine kritische Beurteilung der Besonderheiten des eigenen seelischen Seins ermöglichen. Da das Selbst in ganz best. Weise wahrnehmungsmäßig erkannt und verkannt werden kann, besteht die Möglichkeit der Selbsttäuschung. Diese wiederum kann zu Schwierigkeiten bei einer realitätsnahen Anpassung an eine gegebene Umwelt führen. Die therapeutischen Bemühungen zielen auf eine Korrektur der S. und die daraus mögliche Lösung der indiv. Konflikte.

Verwendete Literatur

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