Selbstorganisation

 

(= S.) [engl. self-organization; gr. ὄργανον (organon) Instrument, Werkzeug], [AO, SOZ], bezeichnet die eigenständige Strukturierung und Ordnung der Prozesse in einem physikal., biol. oder sozialem System (Kriz, 1992). In der Arbeits- und Organisationspsychologie und ihren Nachbardisziplinen wird der Begriff S. unter Verweis auf selbstorganisierte Gruppenarbeit und selbstorganisiertes (oder selbst gesteuertes) Lernen (Aus- und Fortbildung) sowie zur Beschreibung geplanter, nicht geplanter oder auch chaotischer Prozesse in Organisationen verwendet. Der Begriff Management bezieht sich spez. auf zielgerichtete, nach Kriterien der Effizienz geplante Tätigkeiten. Da der Begriff der S. zusätzlich auch die spontanen und nicht vorhersehbaren Prozesse und Ergebnisse umfasst, ist er allg. als der mitunter syn. verwendete Begriff Selbstmanagement (Management).

Aus den Naturwiss. entlehnte Theorien der S. werden auch zur Beschreibung selbst determinierter, dynamischer oder chaotischer Prozesse in Organisationen herangezogen (Kasper, 1991, Kirsch & Knyphausen, 1991, Probst, 1987). Nach Weick (1977a, 1977b) interpretieren Organisationen und ihre Mitglieder ihre Umwelt an Sinn- und Deutungsmustern des eigenen Handelns und versuchen die «Realitäten» sinnstiftend so zu konstruieren und zu verändern, dass organisationale Identität erhalten bleibt (Lernende Organisationen). Nach konstruktivistischem Organisationsverständnis bilden soziale Systeme wie Industriebetriebe ihre Strukturen durch kontinuierliche Kommunikationsprozesse. Nach der konstruktivistischen Theorie von Probst (1987) kann man Organisationen nicht planbar steuern, sondern ihre S. und Lernfähigkeiten nur indirekt fördern, insbes. zu lernen mit Unsicherheit umzugehen, Möglichkeiten zu erhalten und zu schaffen oder Flexibilität zu erhalten. Nach der synergetischen S.theorie der Organisation von Greif et al. (2004) gibt es in Organisationen sowohl instabile Phasen, die nicht vorhersagbar und nur indirekt beeinflussbar sind, aber durchaus auch stabil geordnete Phasen, in denen sich die Prozesse sehr gut vorhersagen und zielgerichtet geplant beeinflussen lassen. Durch Aktivierung der S.kompetenzen der Organisationsmitglieder auf den Systemebenen Individuum, Gruppe und Organisation und durch Vorgabe von Rahmenbedingungen und Zielkriterien können die Organisationsmitglieder nicht vorhersehbare evolutionäre Verbesserungen erzielen und gemeinsam vorgegebene konkrete Ziele erreichen. Die Wege und Lösungen sind dabei nicht vorhersehbar, durch ständige meth. Analysen und Förderung von Problemlöseprozessen können aber zum Ziel führende Optimierungs- und Lernprozesse gefördert werden.

Referenzen und vertiefende Literatur

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