Selbstwertkontingenz

 

(= S.) [engl. contingent self-esteem, contingencies of self-worth; lat. contingere zeitlich zusammenfallen, in Beziehung stehen], [EM, PÄD, PER, SOZ], unter S. wird die Abhängigkeit des Selbstwerts von dem Erreichen interner und externer Standards in selbstwertrelevanten Bereichen verstanden. Die S. stellt eine Facette des Selbstwerts dar und ist zu unterscheiden von der Selbstwerthöhe sowie von der Selbstwertstabilität. Versch. theoret. Ansätze konzipieren die S. entweder als eindimensionale Eigenschaft des Selbstwerts (wahrer vs. kontingenter Selbstwert) oder fokussieren auf die intraindiv. verschiedenen Kontingenzbereiche, von denen Personen ihren Selbstwert in unterschiedlichem Ausmaß abhängig machen. Das mehrdimensionale Modell ist empirisch insges. besser angepasst als das eindimensionale. Zu den stärker untersuchten Bereichen gehören Kompetenz, Attraktivität, Moral/Tugendhaftigkeit, Anerkennung anderer, familiäre Unterstützung und Wettbewerb; es werden weitere Kontingenzbereiche postuliert.

Die Erfassung der S. erfolgt überwiegend über Selbstberichtsskalen. Frauen weisen im Mittel eine höhere S. auf als Männer, wobei Ausmaß und Richtung der Geschlechtsunterschiede abhängig sind von den Kontingenzbereichen. Während die Ursachen von S. wenig erforscht sind, gibt es eine Reihe von Befunden zu den Auswirkungen. Ein kontingenter Selbstwert kann sowohl als Vulnerabilitätsfaktor (z. B. für Depression) wie auch als bedeutsame Motivationsquelle aufgefasst werden. Personen mit kontingentem Selbstwert nehmen Situationen stärker als potenzielle Selbstwertbedrohung bzw. als Chance zur Steigerung ihres Selbstwertgefühls wahr und verfolgen sog. Selbstvalidierungsziele. S. geht u. a. einher mit höherer Selbstaufmerksamkeit, Stress, Risikoverhalten sowie mit geringerer Selbstwerthöhe und -stabilität. Auch zeigen sich in der Folge Unterschiede bzgl. der in die jew. Domänen investierten Zeit und Anstrengung (z. B. Interesse, Engagement, Berufswahl, persönliche Ziele). Zusammenhänge mit weiteren motivationalen Faktoren werden diskutiert.

Verwendete Literatur

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