Self-Description Questionnaire (SDQ)

 

[DIA, EW, PÄD, PER], der SDQ ist eine Verfahrensreihe zur Erfassung des multidimensionalen Selbstkonzepts (Selbstbild) in versch. Altersgruppen, die um Herbert W. Marsh entwickelt wurde: der SDQ I für das späte Kindesalter und frühe Jugendalter (Adoleszenz, 8–12 Jahre), der SDQ II für das Jugendalter (13–16 Jahre), der SDQ III für das späte Jugend- und frühe Erwachsenenalter (16–25 Jahre). Die SDQ-Verfahren können als Individual- oder als Gruppentest angewendet werden. Die Items der SDQ-Verfahren sind als Aussagesätze formuliert, zu denen auf einer Likert-Skala (SDQ I: fünfstufig, SDQ II: sechsstufig, SDQ III: achtstufig) das Zutreffen für die eigene Person angegeben werden soll. Die SDQ-Verfahren wurden ursprünglich zur Validierung des Selbstkonzeptmodells von Shavelson et al. (1976) entworfen (Selbstkonzeptmodell), in dem ein multidimensional und hierarchisch strukturiertes Selbstkonzept angenommen wird.

Die versch. SDQ-Verfahren für die versch. Altersgruppen unterscheiden sich in der Anzahl der Skalen der erfassten Selbstkonzeptfacetten (SDQ I: 8 Skalen/76 Items; SDQ II: 11 Skalen/102 Items; SDQ III: 13 Skalen/136 Items), da angenommen wird, dass sich das Selbstkonzept mit zunehmendem Alter ausdifferenziert. Dennoch umfassen alle SDQ-Verfahren Skalen zur Erfassung bereichsspezif. Facetten des akademischen (z. B. Selbstkonzept in Mathematik, Fähigkeitsselbstkonzept) und nicht akademischen Selbstkonzepts (z. B. Selbstkonzept sportlicher Fähigkeiten). Gemäß dem Selbstkonzeptmodell von Shavelson et al. (1976) wurde zunächst angenommen, dass sich die Einzelskalen der akademischen Selbstkonzepte zu einem Kennwert für das globale akademische Selbstkonzept zus.fassen lassen und die Einzelskalen der nicht akademischen Selbstkonzeptskalen das globale nicht akademische Selbstkonzept abbilden. Ebenfalls wurde angenommen, dass sich das globale akademische und das globale nicht akademische Selbstkonzept in ein globales Selbstkonzept integrieren lassen. Allerdings verwies die Forschung zu den SDQ-Verfahren auf eine stark ausgeprägte Multidimensionalität des Selbstkonzepts, aber auf nur eine schwach ausgeprägte Hierarchie. So zeigen entgegen der Annahme eines globalen akademischen Selbstkonzepts das math. und verbale Selbstkonzept nur geringe Zus.hänge. Auch innerhalb des nicht akademischen Bereichs ist die Bereichsspezifität stärker und die Hierarchie schwächer ausgeprägt als von Shavelson et al. (1976) angenommen. So zeigt z. B. das Selbstkonzept im Aussehen (eine Unterfacette des nicht akademischen körperbezogenen Selbstkonzepts) höhere Zus.hänge zum Peer-Selbstkonzept (eine Unterfacette des nicht akademischen sozialen Selbstkonzepts) als zum Selbstkonzept in Sport (eine weitere Unterfacette des nicht akademischen körperbezogenen Selbstkonzepts). Entspr. ist die Erfassung und Interpretation der Einzelskalen der der globalen Kennwerte vorzuziehen. Neben den bereichsspezif. akademischen und nicht akademischen Selbstkonzeptfacetten beinhalten die SDQ-Verfahren eine eigenständige Skala zur Erfassung des Selbstwertgefühls.

Die SDQ-Verfahren zeichnen sich durch eine gute psychometrische Qualität aus (Gütekriterien). Ihre faktorielle Validität wurde in zahlreichen Studien durch exploratorische und konfirmatorische Faktorenanalysen untersucht. Zudem verweisen Zus.hänge zw. den erfassten Selbstkonzeptfacetten und Außenkriterien auf die Kriteriumsvalidität der SDQ-Verfahren zur Erfassung eines multidimensionalen Selbstkonzepts: Die einzelnen Selbstkonzeptfacetten zeigen jew. höhere Zus.hänge zu solchen Außenkriterien, zu denen ein inhaltlich logischer Zus.hang besteht, als zu inhaltlich nicht passenden Außenkritieren (z. B. höhere Zus.hänge zw. dem Selbstkonzept in Mathematik und der Mathematik-Leistung als zw. dem Selbstkonzept in Dt. und der Mathematik-Leistung).

Die SDQ-Verfahren dienen als Forschungsinstrumente sowie zur Individualdiagnostik des Selbstkonzepts und zur Evaluation von  Interventionen. Auf den SDQ-Verfahren basierende Studien trugen zur Weiterentwicklung der Selbstkonzeptforschung bei, da sie u. a. wichtige Erkenntnisse zur Selbstkonzeptstruktur (s. o.), zu Alters- und Geschlechtseffekten und zur Rolle von Vergleichsprozessen (sozialer Vergleich, temporaler Vergleich, dimensionaler Vergleich) bei der Entstehung des Selbstkonzepts lieferten. Zudem dienten sie als Ausgangspunkt für die Entwicklung weiterer Selbstkonzeptinstrumente wie z. B. einer Vorschulversion des SDQ (SDQ for Preschoolers (SDQP)), eines Verfahrens zur ausschließlichen Erfassung des akademischen Selbstkonzepts (Academic SDQ I und II (ASDQ I, ASDQ II)) und eines Verfahrens zur ausschließlichen Erfassung des Selbstkonzepts im Sport (Physical SDQ (PSDQ)). Für den dt. Sprachraum liegen empirisch validierte Versionen des SDQ I (sowohl als Lang- als auch als Kurzversion: Arens et al., 2013) und des SDQ III (Schwanzer et al., 2005) vor. Einige Large-Scale Assessments wie PISA verwenden zudem ausgewählte Skalen und Items der SDQ-Verfahren in dt. Übersetzung.

Referenzen und vertiefende Literatur

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