Serotonin, serotonerges System

 

[engl. serotonin, serotonergic system], [BIO, KLI, PHA], dieser zu den Monoaminen zählende Neurotransmitter wird aus der Aminosäure L-Tryptophan über die Zw.stufe L-5-Hydroxytryptophan synthetisiert – der eigentliche chem. Name von Serotonin (= S.) ist 5-Hydroxytryptamin (5-HT), was sich noch in der Bez. der Rezeptoren wiederfindet (s. u.). Das in den Spalt ausgeschüttete S. wird durch Carrierproteine (S.transporter) in die präsynaptische Zelle zurücktransportiert, dort teils wieder zur baldigen Ausschüttung in die Vesikel eingelagert, teils durch das (intrazellulär lokalisierte) Enzym MAO = Monoaminooxidase abgebaut. Für S. kennt man sieben versch. Typen von Bindungsstellen (als 5-HT_%7B1%7D bis 5-HT_%7B7%7D-Rezeptoren bez., jede wiederum mit zahlreichen Unterformen). S.agonistisch (d. h. die Übertragung an serotonergen Synapsen verstärkend) wirken u. a. die die S.wiederaufnahme hemmenden trizyklischen Antidepressiva sowie die SSRI (selektive Serotonin-Reuptake-Inhibitoren), MAO-Hemmer, zudem die best. 5-HT_%7B2A%7D-Rezeptoren stimulierenden klass. Halluzinogene (LSD, Meskalin, Psilocybin), weiter wohl auch Ecstasy (MDMA). Psychopharmakol. relevante S.antagonisten sind u. a. offenbar einige der neueren Antipsychotika; eine komplizierte Wirkung an S.rezeptoren hat das AnxiolytikumBuspiron.

Als serotonerges System wird die Gesamtheit der S. zur Ausschüttung verwendenden Neurone bez. Serotonerge Nervenzellen befinden sich im Darmnervensystem, vornehmlich aber zentralnervös in den Raphe-Kernen, die von der Medulla oblongata bis in die oberen Teile des Hirnstamms reichen (Gehirn). Sie projizieren teils nach unten in die Hinterhörner der Rückenmarks, wo sie wesentlich an der Hemmung der Schmerzweiterleitung beteiligt sind (analgetischer Effekt (Analgetika) einiger Antidepressiva). Weiter enden serotonerge Neurone aus dem Hirnstamm im Endhirn, wo sie insbes. (im Zus.spiel mit noradrenergen Neuronen, antagonistisch zu cholinergen) an der Induktion des Non-REM-Schlafs mitwirken, aber u. a. auch für die Regulation der Nahrungsaufnahme, der Stimmung und der Impulskontrolle mitverantwortlich sind. In nach wie vor sehr vager Weise werden affektive Störungen (insbes. depressive Episoden) mit einer Dysfunktion im serotonergen System in Verbindung gebracht, wobei die einfache Vorstellung eines synaptischen Transmittermangels mit Sicherheit zu kurz gegriffen ist. Auch bei Zwängen (Zwangsstörungen) und einigen Formen von Ängsten (Angststörungen) scheint das serotonerge System aus dem Gleichgewicht geraten zu sein, des Weiteren bei Essstörungen (insbes. wohl der Bulimia nervosa mit den charakteristischen Heißhungerattacken) und bei Impulskontrollstörungen. Erwähnt sei, dass sich S. in großen Mengen in den Blutplättchen befindet und dass Migräneattacken u. a. auf Dysregulation des S.haushalts in den kranialen Gefäßen zurückgeführt werden.

Verwendete Literatur

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