Sexualisierung

 

(= S.) [engl. sexualization], [MD, SOZ], meint im Kontext von Massenmedien und Internet (1) die ausdrückliche Behandlung sexueller Themen (z. B. in Songtexten, TV-Serien, Video- und Onlinespielen) und/oder (2) die Nutzung einer sexualisierenden Darstellungsweise, obwohl es gar nicht primär um Sexualität geht (z. B. in der Sportberichterstattung oder Werbung; Werbepsychologie). In den letzten Jahrzehnten wird eine zunehmende Sexualisierung der Medienlandschaft beobachtet, teilweise ist auch von Pornografisierung die Rede. S. erzeugt starke emot. Reaktionen und erregt somit Aufmerksamkeit beim Publikum, sie soll der Steigerung von Quoten, Auflagen und Umsatz dienen. S. stößt jedoch auch auf Ablehnung, wenn das Publikum sich durch übermäßige und unpassende sexuelle Bezüge gestört fühlt. Teilweise wird durch die starke Präsenz sexualisierter Mediendarstellungen wachsender sexueller Leistungsdruck empfunden. S. erfolgt zudem hochgradig geschlechterasymmetrisch: Meist werden einseitig Mädchen und Frauen als Sexualobjekte für den heterosexuellen männlichen Betrachter in Szene gesetzt; unabhängig von ihrem Aussehen tauchen sie viel seltener als kompetente Akteurinnen in den Medien auf. In der einseitigen Art der S. spiegeln und manifestieren sich machtasymmetrische Geschlechterverhältnisse (Sexismus). Allgegenwärtige sexualisierte Frauendarstellungen, die sich an strengen und oft unrealistischen (z. B. durch digitale Bildbearbeitung erzeugten) Schönheitsidealen orientieren, wirken sich neg. auf das Selbstwertgefühl und Körperbild von Mädchen und Frauen aus. Entsprechende Effekte zeigen sich auch bei Jungen und Männern, wenn sie mit stark idealisierten und sexualisierten Darstellungen von Männerkörpern konfrontiert werden, die jedoch insges. in den Massenmedien vergleichsweise selten auftauchen.

Referenzen und vertiefende Literatur

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