Sexualstörungen, Diagnostik

 

 [engl. diagnostics of sexual disorders], [DIA, GES, KLI], der diagnostische Prozess (diagnostischer Prozess, Diagnostik = D.) im Kontext von Sexualstörungen (= S.) zielt darauf ab, ein möglichst umfassendes und vollständiges Bild der Problematik zu erlangen sowie eine Zuordnung der Problematik nach gängigen Klassifikationssystemen (International Classification of Diseases (ICD) bzw. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-IV); Klassifikation, Klassifikation psychischer Störungen) vorzunehmen. Dabei können – im Rahmen einer umfassenden D. – verschiedene Methoden (Datenerhebungsverfahren) zum Einsatz kommen. In Anamnese- oder Explorationsgesprächen (Interview) wird zunächst ganz allgemein die Problemwahrnehmung des Patienten erfragt. Hierbei interessiert zunächst, wie sich das aktuelle Problem äußert, wodurch das Problem ausgelöst wird, welche konkreten eigenen Verhaltensweisen (Verhalten) bzw. welche Verhaltensweisen des Partners oder der Partnerin daraus resultieren (Verhaltensanalyse, funktionale Verhaltensanalyse), welche Kognitionen (Kognition) und Emotionen im Kontext des Problems vorwiegend auftreten, welche körperlichen Reaktionen auftreten, ob es best. Bedingungen gibt, unter denen das Problem verstärkt auftritt, ob die S. schon immer bestand oder erst im Verlauf der Partnerschaft oder seit einem bestimmten Ereignis auftritt (Unterscheidung von primärer und sekundärer S.) sowie ob sie ständig vorhanden oder abhängig von bestimmten Gegebenheiten (z. B. StressArbeitsbelastung), Partnern oder Praktiken ist. Des Weiteren werden auch Aspekte erfasst, die sich nicht unmittelbar auf die vorliegende S. beziehen, wie z. B. die allgemeine Einstellung zu Sexualität (einschließlich eigener sexueller Normen), dem eigenen Körper oder der Partnerschaft. Und auch eine ausführliche Anamnese der früheren Sexualität (Sexualität in verschiedenen Partnerschaften, Veränderung der persönlichen Sexualität in der Lebensgeschichte, sexuelle Aspekte in der Familie, Aspekte der erfahrenen Aufklärung, Umgang mit dem eigenen Körper usw.) kann zielführend sein. Neben Interviewverfahren kann der Einsatz von Fragebögen als gute Ergänzungen betrachtet werden. Des Weiteren können diese eher subjektiven und auf Selbstwahrnehmung (Selbstbeobachtung) basierenden Verfahren von psychophysiologischen Methoden (z. B. Messung der vaginalen Durchblutung oder der Erektionsstärke; Psychophysiologie) und weiteren med. Abklärungen (Bestimmung des Hormonstatus (Hormone, endokrines System), Ausschluss körperlicher Krankheiten (Krankheit), Anomalien und Medikamtengebrauch) flankiert werden. Zudem sollte das potenzielle Vorliegen anderer psychischer Störungen (psychische Störung, z. B. Depression, Angststörungen, Somatisierungsstörungen) berücksichtigt werden. Auch ein Einbezug des Partners oder der Partnerin kann zielführend sein. Prinzipiell muss bei der D. beachtet werden, dass es Betroffenen im Kontext von S. nicht unbedingt leicht fällt, die Problematik offen anzusprechen und dass daher eine vertrauensvolle Therapiebeziehung eine dringend notwendige Voraussetzung darstellt. Sexualtherapie.

Referenzen und vertiefende Literatur

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