Sicherheitskultur

 

(= S.) [engl. safety culture], [AO], der Begriff S. wurde im Zusammenhang mit der Verbesserung der Sicherheit von Kernkraftwerken in Folge der Tschernobyl-Katastrophe entwickelt. Das Konzept der S. baut auf Ansätzen der Organisationskultur auf. Man versteht darunter die von den Mitgliedern einer Organisation geteilten sicherheitsbezogenen Grundannahmen und Normen, die ihren Ausdruck im konkreten Umgang mit Sicherheit in allen Bereichen der Organisation finden. Dabei wird zw. materiellen und immateriellen Merkmalen der organisationalen S. unterschieden. Unter materiellen Merkmalen sind die gemeinsame Optimierung von Technikeinsatz und Arbeitsorganisation, um Störungen am Entstehungsort besser steuern zu können, sowie die Verankerung der Sicherheit in der Aufbau- und Ablauforganisation zu verstehen (z. B. Verteilung von Verantwortlichkeiten in Bezug auf Sicherheitsaspekte i. R. der Führungsstruktur). Bei den immateriellen Merkmalen sind die von allen Organisationsmitgliedern geteilten Normen und Werte, die die Integration von Sicherheit in den Arbeitsprozess und die Sicherheit des Gesamtsystems fördern, gemeint. Das S.-Konzept verweist außerdem darauf, dass Sicherheit nicht an einzelne Teilsysteme (z. B. die Sicherheitsabteilung) delegiert werden kann, sondern als Leistung des Gesamtsystems zu betrachten ist. Es bedarf daher eines kontinuierlichen Organisationsentwicklungsprozesses, um bei allen Systemmitgliedern ein entspr. Verständnis über die Rolle der Sicherheit als bedeutendes Organisationsziel und das entspr. Verhalten zu erreichen.

Zur Entwicklung und Umsetzung einer S. weist Reason (1997) vor allem auf vier Merkmale bzw. Aspekte i. S. einer gestaltbaren S. hin: (1) Berichtskultur: Hier geht es darum, ein funktionierendes Berichtssystem für sicherheitsrelevante Vorfälle in der Organisation zu implementieren. Voraussetzung dafür ist, dass ein organisationales Klima (Organisationsklima) erzeugt wird, in dem die Mitarbeiter bereit sind, eigene Fehler einzugestehen, auch von Beinahe-Unfällen zu berichten und auf latente Risikofaktoren aufmerksam zu machen. (2) Gerechte Vertrauenskultur: Zu einer S. gehören auch Transparenz und ein gerechtes Sanktionssystem dazu, was akzeptables und inakzeptables Verhalten im Umgang mit Sicherheitsfragen ist. (3) Flexible Kultur: Hiermit ist die Fähigkeit des organisationalen Systems verbunden, sich bei Gefahrensituationen flexibel zu verhalten und mit den Anforderungen umgehen zu können. (4) Lernkultur: Die Bereitschaft und Fähigkeit, auf allen Ebenen die richtigen Schlussfolgerungen aus sicherheitsrelevanten Informationen (z. B. des Berichtssystems) zu ziehen und die notwendigen Reformen bzw. Maßnahmen umzusetzen und zu implementieren. Die Entwicklung und Gestaltung einer S. sollte außerdem eine systematische Analyse der relevanten organisationalen Bedingungen und der Ausgangssituation beinhalten. Hierzu existieren Mess- und Bewertungsinstrumente, die auch für die Evaluation von Entwicklungsmaßnahmen genutzt werden können (Büttner et al., 1999).

Verwendete Literatur

Sie sind schon registriert? Zur Anmeldung
Erstellen Sie einen Account um das komplette Literaturverzeichnis einzusehen.