Skandale, politische

 

(= p. S.) [engl. political scandals; gr. σκάνδαλον (skandalon) Anstoß, Ärgernis], [SOZ], sind in der Öffentlichkeit wahrgenommene Wertkrisen (Werte), die für Empörung sorgen, weil sie das Moralempfinden der Bürger beleidigen. Ein latenter p. S., d. h. ein skandalöser Zustand oder skandalöses Handeln, wird zum manifesten p. S., wenn (1) ein obj. oder vermeintlicher Amts- oder Machtmissbrauch zu privaten oder parteilichen Zwecken erkennbar ist, (2) moralische Ansprüche und Erwartungen an die Akteure oder das System gestellt werden, die als verletzt wahrgenommen werden, und (3) eine moralisch integre Instanz (z. B. angesehene Massenmedien) Öffentlichkeit herstellt und den Konflikt öffentlich austrägt. Besonders bedeutsam sind p.S., die entweder als tatsächliches Fehlverhalten aufgedeckt oder als denunziatorisches Mittel von politischen Gegnern inszeniert werden. P. S. können zu Politikverdrossenheit beitragen, aber auch zu rechtlichen und moralischen Klärungen und somit zu einer Entwicklung der politischen Kultur. Dass Einstellungsänderungen aufgrund von p. S. vielfach ausbleiben, wird als Wirkung von «motivierten Kognitionen» (Schröder & Thagard, 2011) oder des Strebens nach Konsonanz interpretiert. Wahrnehmungen und Einstellungen werden subjektiv so arrangiert, dass sie möglichst wenig Dissonanz zu bestehenden Einstellungen und Bewertungen aufweisen.

Referenzen und vertiefende Literatur

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