SKID

 

[engl. Structured Clinical Interview for DSM; SCID], Abk. für Strukturiertes Klin. Interview nach DSM, [DIA, FSE]. Es handelt sich hierbei um ein strukturiertes und standardisiertes Verfahren, mit dem psych. Syndrome und Störungen nach dem Kriterienkatalog des DSM diagnostiziert werden können. Das SKID ermöglicht es, valide Diagnosen zu stellen, wenn der Interviewer über klin.-psychiatr. Erfahrung sowie über eine gute Kenntnis des Manuals verfügt. Für die angemessene Durchführung und Interpretation des Interviews ist ein umfassendes Training unerlässlich. Das SKID wird zur Exploration von erwachsenen Pat. eingesetzt. In Dt. liegt das SKID für DSM-IV vor. Mit dem SKID-I können akt. und frühere Achse-I-Störungen und mit dem SKID-II Persönlichkeitsstörungen nach DSM-IV erfasst werden. Das SKID-I beinhaltet zehn Sektionen (A–J), anhand derer psychische Störungen aus dem Bereich der (1) affektiven Störungen, (2) psychotischen Störungen (Psychose), (3) Substanzmissbrauch und Substanzabhängigkeit (Sucht- und Substanzbezogene Störungen), (4) Angststörungen (inkl. Zwangsstörung und Posttraumatische Belastungsstörung), (5) Somatoformen Störungen, (6) Essstörungen und (7) Anpassungsstörungen diagnostiziert werden. Kindspezif. Kriterien dieser Störungen werden entspr. den DSM-IV-Vorgaben erwähnt (z. B. bei der Major Depression). Seit 2000 liegt eine Zusatzsektion mit dem SKID-D vor, welches spez. zur Erfassung dissoziativer Störungen dient. Das SKID-I gestattet zusätzlich, körperliche Störungen zu kodieren (Achse-III) und das allg. psychosoziale Funktionsniveau (Achse-V) zu beurteilen. Das SKID-I startete mit Fragen zur Exploration und Screeningfragen zur Hauptsymptomatik ausgewählter Störungsbilder (z. B. Zwangsstörung). Findet sich hier ein Hinweis im Screening, ist die entspr. Diagnose genau zu überprüfen, andernfalls auszulassen. Best. Störungsbilder sind stets abzuklären (z. B. affektive Störungen). Die Fragen im Interviewheft zur Durchführung sind streng auf der Basis der diagn. Kriterien vorformuliert worden und müssen daher wortwörtlich gestellt werden. Der Interviewer hat die Aufgabe zu beurteilen, ob die einzelnen diagn. Kriterien (nicht allein die Antworten) gar nicht, teilweise oder sicher erfüllt werden. Das SKID-II umfasst alle Persönlichkeitsstörungen des DSM-IV zusätzlich der zwei Forschungsdiagnosen der depressiven Persönlichkeitsstörung und der negativistischen Persönlichkeitsstörung. Die Symptomatik der Störungen wird in einem Fragebogen zu Beginn des Interviews von dem Interviewten selbst beurteilt. Dieser Fragebogen kann quant. ausgewertet werden und stellt die Grundlage für das folg. Interview dar. I. Ggs. zu SKID-I werden alle Persönlichkeitsstörungen durchgegangen.

Mit der Herausgabe des DSM-5 ist das SKID an den neuen Kriterienkatalog angepasst und Interviewfragen revidiert worden. In den USA liegen drei Versionen des SKID für DSM-5 vor. Neben dem SKID für Persönlichkeitsstörungen (SCID-5-Personality Disorders), dem Nachfolger des SKID-II, sind zwei Ausführungen des SKID-I verfügbar. Das SKID-5 für die klin. Praxis (SCID-5-Clinician Version) ist auf die Bedürfnisse der Tätigkeit in der klin. Praxis zugeschnitten. Inhaltlich bedeutet dies u. a., dass nur diejenigen Störungen berücksichtigt werden, die im klin. Setting häufig vorzufinden sind. Diese werden auch nur so weit spezifiziert, wie es für die Praxis von Relevanz ist (z. B. keine Abfrage einer früheren sozialen Phobie, sondern nur einer gegenwärtigen). Gegenüber SKID-I wurde zusätzlich die ADHS auf-, aber die somatoformen und die Essstörungen herausgenommen. Diese als auch weitere Störungen (optionale Störungen) sind nur noch anhand von Screeningfragen zu beurteilen. Neben dieser Version existiert noch eine Fassung für den Forschungsgebrauch (SCID-5-Research Version). In dem Manual zum Forschungs-SKID-5 werden die neuen DSM-5-Diagnosen, wie Binge-Eating-Störung oder das prämenstruelle dyshoprische Syndrom, und diejenigen psych. Störungen, die aus dem SKID-5 für die klin. Praxis herausfielen und da nur gescreent werden. Das SKID-5 für die Forschung weist insges. zwölf Sektionen auf (A bis L). Die Sektionen sind im Vergleich zum SKID-I neu geordnet, erweitert oder neu erstellt worden. Neue Bereiche stellen die Sektion H Schlafstörungen und die Sektion K Externalisierende Störungen dar. Mit der Aufteilung in eine Forschungs- und eine Praktikerversion wurde mit dem SKID-5 auf praktischer Ebene ein Grundgedanke realisiert, der ursprünglich für das DSM-5 konzeptuell geplant war.