Somatic-Marker-Hypothese

 

(= S.) [engl. somatic somatisch/körperlich, marker Markierung], [BIO, EM], die sog. Somatic Marker Hypothese von Damasio et al. (1991) weist i. R. moderner neurowiss. Emotionsforschung auf die Bedeutung peripherphysiol. bzw. somatischer Reaktionen hin, die durch emot. relevante Reize oder Situationen hervorgerufen werden. Damit steht sie in der Tradition der sog. James-Lange-Theorie der Emotionen, die besagt, dass voll ausgebildete Gefühle aufgrund von Rückmeldungen der peripheren physiol. und motorischen Reaktionen an das zentrale Nervensystem entstehen. Die S. von Damasio geht nun davon aus, dass vor allem die Aktivierung jener Gehirnareale für das emot. Erleben wichtig sind, die mit der Repräsentation somatischer Prozesse zu tun haben (Damasio et al., 2000). Die Aktivierung der Repräsentationen charakteristischer körperlicher Reaktionen sind damit Marker best. Emotionen und den damit assoziierten Handlungs- bzw. Entscheidungsoptionen. Durch die Feststellung, dass somatische Marker integraler Bestandteil des emot. Erlebens und Handelns sind, tritt Damasio vor allem dem historischen Dualismus entgegen, den er bis heute im gesellschaftlichen sowie wiss. Diskurs vorfindet (Damasio, 1994). Die S. nimmt insbes. an, dass diese somatischen Reaktionen auf emot. bedeutsame Reize einen zentralen Einfluß auf komplexe Entscheidungsprozesse (im sozialen Bereich) ausüben. Dies wurde anhand spezif. Einschränkungen in Entscheidungsexperimenten bei unterschiedlichen neurologischen Störungen vielfach gut belegt. Damasio und seine Arbeitsgruppe entwickelten zu diesem Zweck spez. exp. Laborparadigmen, die den Lernprozess bei uneindeutigen Entscheidungsaufgaben abbilden können (Iowa Gambling Task). Aus evolutionärer Perspektive wird angenommen, dass eine solche körperliche Repräsentation (ein sog. Bauchgefühl) durch automatisierte und schnell auslösbare Reaktionen auf Bedrohungsreize ermöglicht und somit damit das Überleben sichert. Der durch die S. angeregte Forschungsansatz hat erheblichen Einfluss auf neuroökonomische Forschungsansätze.

Verwendete Literatur

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