Somatoforme Störungen, Psychotherapie

 

[engl. somatization disorders; psychotherapy], [KLI], die primäre Zielsetzung in der verhaltenstherapeutischen Behandlung von Somatoformen Störungen (= SST.) bezieht sich auf das Erarbeiten eines indiv. Genesemodells und der Änderung der eher auf somatische Veränderungsstrategien bezogenen Attributionen (Kausalattribution) der Pat. Der Wiedererwerb des Vertrauens in die Funktionsfähigkeit des eigenen Körpers sowie der psych. und sozialen Handlungs- und Erlebensfähigkeit sollte im Vordergrund des therap. Bemühens stehen. Das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit des eigenen Körpers ist bei den Pat. meist tief erschüttert. Erschwerend haben die Pat. nach einer Odyssee von Arztbesuchen keine Antwort für ihre somatische Ursachenerklärung erhalten. Dies verhindert häufig eine gute Compliance für eine psychotherap. Behandlung, die für eine günstige Prognose dringliche Voraussetzung ist. Die Herstellung einer vertrauensvollen Therapeut-Pat.-Beziehung (Therapiebeziehung; Psychotherapie) ist somit von herausragender Bedeutung. Im Gespräch mit dem Pat. ist es daher zunächst sehr wichtig die Glaubhaftigkeit der Beschwerden zu bestätigen. Dabei ist es sinnvoll, dem Pat. anschaulich zu erklären, dass seine Beschwerden durch eine Fehlwahrnehmung von Körperprozessen bedingt sind. Gerade Pat. mit SST. benötigen eine umfassende Transparenz des therap. Vorgehens, sodass die geplanten Schritte und ihre Konsequenzen aufgezeigt werden sollten. In der kognitiv-behavioralen Therapie wird dem Pat. der Einfluss von Stress auf körperliches Wohlbefinden vermittelt. Es soll verdeutlicht werden, dass internaler und externaler Stress maßgeblich Einfluss auf die körperlichen Beschwerden ausüben kann. I. R. von Techniken des Stressmanagements sollen spezif. Körperwahrnehmungsübungen (Entspannungsverfahren, Achtsamkeitstraining, Sinnes- und Genusstraining) zur Stressimpfung eingesetzt werden. Mithilfe kogn. Techniken, wie Identifikation dysfunktionaler körperbezogener Kognitionen, Veränderung von Gedanken- und Grübelspiralen, rationale Problemanalyse und Problembewertung, kognitive Um-/Restrukturierung und Sokratischer Dialog soll eine Veränderung der Bewertung der Bedeutung der Symptome erreicht werden. Dabei soll eine Neubewertung der körperlichen Symptome mit einer Verbesserung der Alltagskompetenz verknüpft werden. Unter Berücksichtigung der Ressourcen (Ressourcenorientierung) des Pat. sollen dabei pos. aktivierende Verhaltensweisen gefördert werden (Genuss- und Sinnestraining). Neben diesen Therapieverfahren sind bes. auch spezif. Techniken des Biofeedbacks indiziert, da sie dem Bedürfnis nach körperbezogener Kontrolle des Pat. entgegenkommen. Biofeedbacktherapie unterstützt die Kontrolle der Körperwahrnehmung und sollte als Modul einer umfassenden multimodalen Therapie eingesetzt werden. Die Effektivität der verhaltenstherapeutischen Techniken bei SST. ist durch zahlreiche Studien belegt (Voderholzer & Hohagen, 2013). Zahlreiche Autoren weisen auf die bes. Rolle der Verbesserung der Lebensführung der Pat. hin. Dabei können sporttherap. Maßnahmen und Ernährungsberatung eine zusätzliche Hilfestellung darstellen. Obwohl der Beginn der SST. häufig schon im Kindes- und Jugendalter liegt, erfolgt nur selten bereits in diesem Alter eine psychiatrische und psychotherap. Vorstellung und Behandlung. In manchen Fällen sind bereits bei Jugendlichen aufgrund der Symptome für die Betroffenen neg. soziale, schulische und familiäre Probleme entstanden, sodass es in manchen Fällen zu einer stationären Versorgung gekommen ist. Aus diesen Gründen erscheint es wichtig, die diagn. und therap. Bemühungen schon frühzeitig zu beginnen und ein besseres Verständnis für die SST. im Kindes- und Jugendalter zu erreichen. Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und andere somatische Beschwerden im Kindesalter können nach einer entsprechenden somatischen Abklärung als spezif. und typische Warnsignale für die psych. Belastung von Kindern und Jugendlichen gewertet werden. Daher sind die frühzeitige Beratung und psychotherap. Behandlung der Kinder und Jugendlichen sowie deren Eltern von höchster Wichtigkeit. Entsprechende empirisch evaluierte Trainingsprogramme, wie MIPAS-Family, können hier präventiv (Prävention) wie therap. wirken (Gerber et al., 2010).

Referenzen und vertiefende Literatur

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