soziale Flexibilität

 

(= soz.F.) [engl. social flexibility], [PER, SOZ], ist die Fähigkeit, möglichst viele unterschiedliche Erklärungen für eine mehrdeutige soz. Situation oder Lösungen für ein soz. Problem zu finden (Problemlösen, divergentes Denken). Dieser Begriff hat seinen Ursprung im Structure of Intellect Model (SOI-Model) von Guilford (1967). In diesem facettentheoretischen Strukturmodell der Intelligenz ist die divergente Produktion von behavioralen Inhalten eine spezif. Komponente der kreativen soz. Intelligenz. Zur Kreativität gehören bei Guilford neben Menge und Vielfalt von Ideen auch die Originalität. Soz. F. oder soz.-kogn. F. findet sich als eigenständiger Begriff erst in neueren Arbeiten (Jones & Day, 1997; Lee et al., 2002; Süß et al., 2005) und wird als Subkonstrukt der soz. Intelligenz gesehen. Lee und Kollegen def. soz.-kogn. Flexibilität als die flüssige Anwendung von sozialem Wissen. Diese Def. entspricht dem Konzept der allg.kogn. F. in Modellen der akademischen Intelligenz als Fähigkeit zum Abruf von gespeichertem Wissen (broad retrieval ability; three stratum theory; Carroll, 1993) und des Faktors Langzeitgedächtnis (Gedächtnis) und Abruf von Wissen (long-term storage and retrieval; Cattell-Horn-Carroll Theory; McGrew, 2009). Soz. F. und andere (soz.-)kogn. Fähigkeiten bilden das kogn. Potenzial für s. kompetentes (Süß et al., 2005) und flexibles Sozialverhalten. Neben den Fähigkeiten bedingen aber auch Persönlichkeitsmerkmale, Einstellungen, Wertvorstellungen (Werte) und andere nicht kogn. Komponenten das Sozialverhalten mit, das demnach von den ausschließlich kogn. Konstrukten abgegrenzt werden muss. Zur Diagnostik von soz. F. sollen Pbn auf Basis mehrdeutiger sozialer Stimuli Lösungen oder Erklärungen für die dargestellte Situation finden. Die Leistung bestimmt sich über Menge und Vielzahl der Lösungen oder Erklärungen. Einen theoriegeleiteten, umfassenden Versuch, soz. F. zu erfassen, stellt die nicht publizierte Testbatterie von Hendricks et al. (1969) dar. Weitere Einzeltests zur Operationalisierung von s.F. finden sich bei Probst (1982), Jones & Day (1997) sowie Lee et al. (2002). Die vorliegenden Validitätsbefunde (Validität) deuten auf einen von allg.-kogn. F. separierbaren, aber positiv korrelierten (Korrelation) Faktor hin.

Referenzen und vertiefende Literatur

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