soziale Lerntheorien

 

[engl. social learning theory], [KOG, SOZ], lerntheoretisch fundierte Modelle/Theorien (Lerntheorien), die zu beschreiben und zu erklären versuchen, wie nach lernpsychol. Prinzipien komplexere (soziale) Verhaltensweisen entstehen, aufrechterhalten (verstärkt, Verstärkung) oder gelöscht (Auslöschung) werden können, und damit die Erklärungen der klassischen Konditionierung und operanten Konditionierung erweitern. Vertreter dieser Theorien sind u. a. Bandura und Rotter mit jew. unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten. Während Bandura sich in seinen Untersuchungen v. a. sozialen Verhaltenskategorien zuwendet (z. B. Aggression), entwickelte Rotter Konstrukte, die eher klass. Persönlichkeitsdimensionen zuzuordnen sind. Für beide Forscher ist das Prinzip der Verstärkung die Basis für die Verhaltensformung; kogn. und i. S. des klassischen Behaviorismus nicht beobachtbare Prozesse werden als relevant betrachtet. Bandura führt das Prinzip der stellvertretenden Verstärkung ein (Beobachtungslernen) wie auch kognitive «vermeidende» Prozesse, die die Konsequenzen des Verhaltens möglich machen und das Prinzip der Antizipation voraussetzen. Rotter hat seine Konzeption in der Verhaltensgleichung verdeutlicht, in der vier Variablenklassen eingeführt werden: Verhaltenspotenzial, Erwartungen, Verstärkerwert und psych. Situationen. Während Bandura dem Modell des Situationismus zuzuordnen ist, gilt Rotter als Vertreter des Interaktionismus.