soziale Verantwortung

 

(= soz. V.) [engl. social responsibility], [EM, SOZ, WIR], soz. V. hat zwei Aspekte: das Wohlergehen anderer unterstützen und Verfolgung der eigenen Ziele, ohne andere zu schädigen. Ein Mensch handelt gemäß Auhagen (2001) dann v.voll, wenn er ethische Standards (Ethik) berücksichtigt und sich für rechenschaftspflichtig für die Konsequenzen der Handlung hält. Soz. V. umschließt mehrere prototypische Fälle (Montada, 2001). Dazu zählen politische V. (politische Partizipation) für Fehlentscheidungen, finanzielle V. für andere, Vermeidung von unnötigen Risiken für andere und freiwillige Arbeit in einer ehrenamtlichen Organisation (Freiwilligenarbeit). Soz. V. lässt sich mit zwei prosozialen Motiven (prosoziales Motivsystem) verknüpfen, Empathie und Schuld. Empathie ist eine Voraussetzung für die Übernahme von V., die sich in der Sorge für andere ausdrückt, während Schuldgefühle aufgrund von Nachlässigkeit, Fehlern und unverdienten Privilegien zustande kommen.

Heider (1958) unterscheidet in seinem Modell zur Attribution (Kausalattribution) von V. versch. Stufen ansteigender Schuld für die Auslösung neg. Konsequenzen (z. B. Missgeschicke, Unglücke): (1) bloße Assoziation i. S. eines zufälligen gleichzeitigen Ereignisses (die Person ist «zur falschen Zeit am falschen Ort»), (2) Kausalität (die Person hat den Effekt bewirkt), (3) Vorhersehbarkeit (die Person hätte aufgrund ihrer Vorkenntnisse wissen können, dass eine neg. Konsequenz durch ihre Handlung hervorgerufen werden könnte), (4) Absicht (Intention, die Person hat das Auftreten der neg. Konsequenzen intendiert). Eine fünfte Stufe reduziert das Ausmaß der wahrgenommenen Schuld: (5) Rechtfertigung durch unkontrollierbare Bedingungen, die die zur Verfügung stehenden Handlungsmöglichkeiten der Person begrenzen.

Wenn Hilfeempfänger ihre Notlage selbst verursacht haben, ist die Hilfeleistung (prosoziales Verhalten) ihnen gegenüber eher gering (Weiner, 2001). Dieser Zusammenhang wird durch die v.basierte Theorie des sozialen Verhaltens thematisiert. Sie basiert auf der Annahme, dass die Zuschreibung von V. für die Notlage des Opfers affektive Reaktionen (Affekt) auslöst, die der Entscheidung (Entscheiden) über prosoziales Verhalten durch den potenziellen Helfer unmittelbar vorausgehen. Affektive Reaktionen, die das Modell einschließt, sind Mitgefühl und Ärger, wobei Mitgefühl zu Hilfeverhalten führt und Ärger zu Verweigerung der Hilfe und Verurteilung der Person, die in Not geraten ist. Wenn das Opfer für seine Notlage verantwortlich zu sein scheint, wird überwiegend Ärger hervorgerufen. Wenn das Opfer unschuldig in seine Notlage gekommen zu sein scheint, überwiegt das Mitgefühl. Empir. Unterstützung für diese Annahmen liefert eine Metaanalyse von Weiner (2001). Ein wichtiges Anwendungsfeld ist die V. für die Umwelt. Empir. Untersuchungen zeigen, dass V.gefühl in einem pos. Zusammenhang mit umweltbewusstem Verhalten steht (Kaiser et al., 2001).

 

Referenzen und vertiefende Literatur

Sie sind schon registriert? Zur Anmeldung
Erstellen Sie einen Account um das komplette Literaturverzeichnis einzusehen.