sozialer Vergleich

 

(= soz.V.) [engl. social comparison], [SOZ], beinhaltet die Beobachtung anderer Personen mit dem Ziel, diagn. Informationen über ihre Leistungen, Meinungen, Werte und Probleme einzuholen, die für die Beurteilung und Bewertung eigener Leistungen, Meinungen, Werte und Probleme benutzt werden. Soz. V. treten u. a. in Leistungssituationen, in engen Beziehungen sowie im Gesundheitsbereich auf. Soz. V. dienen der Beseitigung von subj. Unsicherheit darüber, wie ein Sachverhalt zu bewerten ist. Hierzu ist die Auswahl geeigneter Vergleichspersonen bedeutsam. Die Theorie der sozialen Vergleiche (Festinger, 1954) geht davon aus, dass Ähnlichkeit einen wichtigen Faktor für die Auswahl der Vergleichsperson (Vergleichsstandard) darstellt und soz. V. somit Ähnlichkeit voraussetzen, wie sie in einer gemeinsamen Bezugsgruppe gegeben ist. Die Theorie der soz. V. wird durch eine Reihe empir. Befunde unterstützt (z. B. Lockwood & Kunda, 1997). Der Vergleich mit anderen Personen kann zu Assimilationseffekten oder zur Kontrastbildung führen. Assimilationseffekte werden durch die Betonung von Ähnlichkeit zwischen der Zielperson (d. h. die Person, die den soz. V. durchführt) und dem Vergleichsstandard hervorgerufen. Hierbei gleicht sich die Zielperson in der Selbstbeschreibung dem jew. Standard an. Dies gilt insbes. dann, wenn der Vergleichsstandard mittelgute bis mittelschlechte Leistungswerte auf best. Dimensionen beinhaltet. Kontrastbildung wird hingegen durch eine Betonung von Unähnlichkeit zw. Zielperson und Vergleichsstandard gefördert. Dies ist bes. dann der Fall, wenn der Standard extreme Leistungswerte auf der jew. Dimension aufweist.

Soz. V. können hinsichtlich ihrer Richtung differenziert werden: Unterschieden wird dabei zwischen aufwärts gerichteten und abwärts gerichteten Vergleichen. Ein aufwärts gerichteter soz. V. zeigt sich darin, dass sich die Zielperson mit anderen vergleicht, die erfolgreicher sind. I. R. aufwärts gerichteter soz. V. wird eine Gemeinsamkeit zw. der eigenen Person und erfolgreichen Personen geschaffen. Gemäß dem Modell der Aufrechterhaltung der Selbstbewertung (Tesser & Campbell, 1982) stellt die Assoziation der eigenen Person mit den Erfolgen anderer und die Herstellung von Distanz zu ihren Misserfolgen eine indirekte Technik der Selbstdarstellung dar, um den eigenen Selbstwert (Selbstwertgefühl) zu erhöhen (basking in reflected glory). Ein förderlicher Faktor für das Auftreten von aufwärts gerichteten s. V. ist die vorherige Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls. Ob aufwärts gerichtete soz. V. den Selbstwert erhöhen oder belasten, hängt davon ab, ob die erfolgreicheren Vergleichspersonen einen Kontrasteffekt (sodass sich die Zielperson schlechter fühlt) oder einen Assimilationseffekt (die Zielperson nimmt sich als den Erfolgreichen ähnlich wahr) auslösen. Bei abwärts gerichteten soz. V. hingegen vergleicht sich die Zielperson mit Personen, die weniger erfolgreich sind als sie. Dies ist z. B. der Fall, wenn sich Kranke mit anderen vergleichen, denen es schlechter geht. Die Theorie der abwärts gerichteten sozialen Vergleiche (Wills, 1981) stellt das Motiv der Selbstwerterhöhung in den Mittelpunkt: Es wird die Annahme aufgestellt, dass das eigene subjektive Wohlbefinden durch Vergleiche mit weniger glücklichen Personen oder mit Personen, denen es genauso schlecht geht wie den Beurteilern, erhöht werden kann. Die Zusammenfassung empirischer Befunde durch Collins (1996) zeigt, dass sich abwärts gerichtete soz. V. günstig auf die Stimmung auswirken. Beide Vergleichsrichtungen (aufwärts gerichtet und abwärts gerichtet) können sowohl mit pos. als auch mit neg. Gefühlen verbunden sein, wenngleich die Tendenz besteht, dass pos. Gefühle überwiegen. Letzteres ist insbes. bei abwärts gerichteten soz. V. der Fall. Generell wird die Richtung des soz. V. favorisiert, die den Selbstwert fördert oder aufrechterhält.

Referenzen und vertiefende Literatur

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