soziales Wissen

 

(= soz. W.) [engl. social knowledge], [KOG, SOZ], ist in seinem breitesten Sinne Wissen über die soz. Welt. Soz. W. ist soz. vermitteltes Wissen, d. h. W., das in sozialen Interaktionen explizit oder implizit erworben wird, und vom Individuum konstruiertes Wissen über die Bedeutung soz. Phänomene. Soz. W. ist soz. Erfahrungsw., W. über Konventionen und sozialen Normen (moralisches W.), W. über akzeptiertes und effektives Verhalten in soz. Situationen, z. B. im Umgang mit Kollegen, Vorgesetzten, Angestellten oder Kunden. Soz. W. wird beginnend mit der frühen Kindheit durch Beobachtung, Nachahmung, pos. und neg. Verstärkung (Konditionierung, operante) sowie soz. Schlussfolgern erworben und generiert, um soz. Geschehen einordnen und verstehen zu können. Personen mit reichhaltigem soz. W. haben mehr Verhaltensoptionen und können neue Situationen leichter einordnen. Soz. W. liefert daher die Grundlage für Verstehen und Handeln. S.W. ist in hohem Maße kontext-, gruppen- und kulturspezif., d. h. der Geltungsbereich des s. W. ist entspr. begrenzt. Für Cantor und Kihlstrom (1985) ist soz. W. das Fundament der sozialen Intelligenz. Für Wagner und Sternberg (1985) ist soz. W. stilles W. [engl. tacit knowledge], d. h. informell erworbenes Alltagsw. und bildet die Grundlage für das Konstrukt der praktischen IntelligenzBye und Jussim (1993) ordnen zudem Selbstw. [engl. self-knowledge], d. h. Wissen über die eigene Lebensgeschichte (Biografie), über eigene Fähigkeiten und Grenzen, dem soz. W. zu. Soz. W ist bes. für interkulturelle Vergleiche und interkulturelle Kommunikation von Relevanz. Forschungsergebnisse zu sog. Kulturstandards zeigen, dass Mitglieder einer Kultur best. Normen, Werte, Überzeugungen, Einstellungen, Regeln etc. teilen, die eine Orientierung für eigenes Verhalten geben und die Grundlage dafür liefern, welches Verhalten als normal, typisch oder akzeptabel angesehen wird. Kulturstandards werden im Laufe der Sozialisation erlernt und verinnerlicht und sind den Angehörigen einer Kultur nicht ständig bewusst. Kulturspezifisch erlernte Regeln [engl. cultural display rules] bestimmen z. B., inwieweit Emotionen kommuniziert werden. Soz. W. liefert die Grundlage, um in interpersonalen Situationen von der eigenen kult. Norm abweichende (unerwartete) Reaktionen einordnen und bewerten zu können und sich an die Normen einer anderen Kultur anpassen zu können (Matsumoto, 1990). Aufgrund der Breite des Konstrukts kann s. W. nicht umfassend erfasst werden. Erforderlich wäre dafür eine erschöpfende Klassifikation soz. Situationen, was nicht möglich scheint. Aspekte von soz. W. können mit Situational Judgement Tests erfasst werden, z. B. mit dem Tacit Knowledge Inventory for Managers (TKIM) oder Subtests des MSCEIT (Four Branch Ability Model of Emotional Intelligence, Intelligenz, emotionale).

Referenzen und vertiefende Literatur

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