sozio-emotionale Selektivitätstheorie

 

(= S.) [engl. socio-emotional selectivity theory; lat. selectio Auswahl], [EM, EW, SOZ], Laura Carstensen argumentiert in der Anfang der 1990er Jahre vorgeschlagenen S., dass es im Laufe der menschlichen Entwicklung zu fundamentalen Verschiebungen motivationaler Kräfte (Motivation) kommt, und zwar getrieben von der Art der Zukunftsperspektive und nicht vom kalendarischen Alter. Je ausgedehnter sich die Zukunftsperspektive (= Z.), v. a. in frühen Phasen der Lebensspanne, darstellt, desto eher rückt das Motiv der Informationssuche in den Vordergrund und treibt Entwicklung an. In der Folge werden vielfältige Entwicklungswege beschritten und die Lebensmöglichkeiten auf vielfachen Wegen aktiv exploriert und mit Information aufgeladen. Wird die Z. hingegen als begrenzt wahrgenommen, was vor allem im höheren Lebensalter der Fall ist, konzentrieren sich Zielprozesse auf den Erhalt emot. bedeutsamer Erlebensinhalte (Emotionen), v. a. im Bereich der sozialen Beziehungen. So wird erwartet, dass ältere Menschen proaktiv in den Erhalt von besonders bedeutsamen Sozialpartnern mit hohem Intimitätsgrad investieren, während weniger wichtige Sozialbeziehungen eher aufgegeben werden. Seit ihrer Einführung hat sich der Anwendungsbereich der S. ständig ausgeweitet, was v. a. in der Annahme einer allg. höheren Positivität bei Menschen mit begrenzter Z. zum Ausdruck kommt. Eine bedeutsame Voraussage der S. besteht ferner darin, dass sich die behaupteten motivationalen Verschiebungen auch in jüngerem Lebensalter zeigen, wenn entspr. Randbedingungen die Z. verkürzen (z. B. Umzug, Krankheit). Die S. hat seit ihrer Einführung eine Vielzahl von empirischen Bestätigungen gefunden, welche die Lebensspannenpsychologie insges. sehr bereichert haben.

Referenzen und vertiefende Literatur

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