Soziologie

 

(= S.) [engl. sociology; lat. socius gemeinsam, gr. λόγος (logos) Wort, Lehre], [SOZ], die Gesellschaftswissenschaft, Beschreibung und Theorie der soz. Gebilde und des kollektiven Verhaltens. Wenn nur die Interaktion, Kommunikation oder Rollen und Rollenverhalten thematisiert sind, wird S. auf der Mikroebene betrieben und ähnelt manchen Themen der Sozialps.; wenn Gruppen, Kollektive und andere soziale Kategorien behandelt werden, könnte man von der Mesoebene der S. sprechen, und die Beschäftigung mit Kulturkreisen, Schichten, Ständen und Klassen (Status, sozioökonomischer) führt auf die Makroebene der S. Außerdem gibt es die spez. S. der Familie, Jugend (Adoleszenz), des Berufs etc. (de Jager & Mok, 1973). In Bezug auf die Sozialps. ist S. insofern Hilfswiss., als ihre Abstraktionen einige unabhängige Variable def., ähnlich wie es in der Psychophysik deren Hilfswiss., die Physik, tut. Nach v. Wiese ist die S. die Grundwissenschaft der Sozialwiss. Nach Comte sollte die von ihm sog. S. allerdings erst zus. mit der Biologie die letzten Erklärungen in einer neuen Wiss. ermöglichen, die er la morale nannte und die als Verhaltenswiss. verstanden werden muss. Weber meinte, dass die S. die «Wissenschaft (sei), welche soz. Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will». I. w. S. schließt die S. auch die soz. Prozesse in Tier- und Pflanzenwelt ein. Die Existenzberechtigung der S. wurde von den Nachbarwiss. wie Geschichte, Rechtswiss., Nationalökonomie und Ps. vielfach in Zweifel gezogen, heute beginnt sich die S. jedoch zusehends als empirische, ja exp. (Soziometrie) Wiss. zu legitimieren. Die Möglichkeit einer relativen Grenzziehung zw. den Arbeitsgebieten der S. und der Sozialps. bietet sich z. B. durch die Tatsache, dass sich als Ausgangspunkt der Sozialps. das Individuum mit seinen zw.menschlich relevanten psych. Erscheinungen ansehen lässt, während in der S. «die Gruppe, die nicht weiter ableitbare Grundkategorie, das soziol. Urphänomen» (Vierkandt) ist.

Referenzen und vertiefende Literatur

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