Spiegelneurone

 

(= S.) [engl. mirror neurons], [BIO, EM, KOG], sind Neurone (Neuron) im Gehirn des Menschen und von manchen Tieren, darunter Affen und Vögel, die sowohl bei der Ausführung einer best. Handlung als auch bei der Wahrnehmung dieser Handlung feuern, d. h., Aktivität in Form von Nervenimplusen zeigen. Bspw. würden auf die Handlung «Zähne fletschen» spezialisierte S. sowohl dann feuern, wenn ein Tier selbst die Zähne fletscht, als auch dann, wenn es beobachtet, wie ein anderes Tier seine Zähne fletscht. S. wurden in den Neunzigerjahren des 20. Jhd. vom Neurophysiologen Giacomo Rizzolatti und Kollegen entdeckt. U. a. fanden diese mittels Einzelzellableitung im prämotorischen Kortex von Makaken Neuronen, die sowohl dann feuerten, wenn die Affen beobachteten, wie ein menschlicher Vl Futter auf einem Tablett ergriff, als auch dann, wenn sie selbst dieses Futter ergriffen (Gallese et al., 1996). Es wurden mittels Bildgebung (bildgebende Verfahren) Belege für S. beim Menschen in versch. Gehirnarealen erbracht, u. a. im inferioren Frontalkortex, im Lobulusparietalissuperior, im supplementärmotorischen Areal und im medialen Temporalkortex. Es existiert eine Reihe von Theorien, die S. als physiologische Grundlage versch. psych. Funktionen postulieren. Für die Postulierung einer einheitlichen Repräsentation von Handlung und Wahrnehmung (commoncoding) könnten S. partiell die Basis bilden. Darüber hinaus sind S. etwa für das Verstehen von Absichten (Intention), Sprachentwicklung, Imitation (Nachahmung, Imitation) und Theory ofMind (mentalistische Alltagspsychologie) von Bedeutung. Auch für Empathie und das Erkennen versch. Emotionen wurden S. mitverantwortlich gemacht, darunter Ekel, Angst, Ärger, Freude, Überraschung und Traurigkeit. Dysfunktionen von S. oder deren Fehlen wurden in Zusammenhang mit Autismus (Autismus-Spektrum-Störung) gebracht.

Referenzen und vertiefende Literatur

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