Spiel

 

(= S.) [engl. game], [EM, EW, KLI, SOZ], Aktivität von Mensch (und Tier), die ohne Zwang und Zweck (Ziele, Intention) um ihrer selbst willen ausgeübt wird. J. Huizinga (1871–1945), der niederländische Sprach- und Kulturanthropologe, der eine anthropologische Theorie des Spiels entwickelte («Homo ludens», Huizinga, 1938), bez. das S. als «primäre Lebenskategorie». Es können u. a. folg. Spielarten unterschieden werden: (1) Funktionsspiele (Motiv) ist der Bewegungsdrang (Motorik). Beim Kind dienen sie der Einübung von Bewegungsabläufen), (2) Fiktionsspiele, Symbolspiele (wesentlich ist die Entfaltung der Nachahmung, sich in eine andere Rolle versetzen, Herstellung des sozialen Bezugs, Entwicklung der Fantasie), (3) Konstruktionsspiele (Umgang mit Material steht im Mittelpunkt), (4) Regelspiele (vorgegebene Regeln und Vorschriften sind einzuhalten), (5) Gruppenspiele (S., die ohne ausreichende Teilnehmerzahl nicht durchführbar sind). Benesch gliedert das S. als Lebenshilfe in zwölf Funktionen, darunter S. als Spannungsausgleich, als Selbstverwirklichung, als Lustgewinn, als Ausleben, als Konfrontation. Mit der psychol. Beachtung der S. ist eine sehr wechselnde Theorienbildung einhergegangen (nicht gleichbedeutend mit Theorie der Spiele), die von den «energetischen Theorien» (zum S. führe Kraftüberschuss, S. sei das Aufsuchen von Spannung und Lösung; Spencer 1855, Heckhausen, 1963) über lerntheoretische, kognitionstheoretische, sozialkommunikatorische u. a. Deutungen bis zu den tiefenpsychol. Annahmen mit Kartharsis (Katharsis, psychoanalytisch), Projektion und Ersatzbefriedigung reicht. Piagets Spieltheorie fand bes. Beachtung, da sie den Wandel im Spielverhalten vom Säugling zum Erwachsenen über drei Phasen zu deuten sucht (Assimilation, Akkommodation, Balance beider Prozesse). Das Kleinkind spielt sensomotorisch – es stellt die «geistige» Frage, ob sich die Dinge der Umgebung zum «Lutschen» eignen. Im 2. Lebensjahr treten noch sehr unangepasste Vorstellungsbilder auf, doch zunehmend verschafft sich das Kind über S. Kenntnisse, die in der Realitätsanpassung des Erwachsenen enden. Eine wichtige Rolle hat das S. auch im therapeutischen Bereich, z. B. als Rollenspiel, innerhalb der Verhaltenstherapie und im Psychodrama, als Interaktionsspiel, in der Gruppentherapie u. a. (Spieltherapie, Transaktionsanalyse).

Referenzen und vertiefende Literatur

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