Sprache

 

(= S.) [engl. language, speech], [KOG, SOZ], das dem Menschen eigene Symbolsystem zum Ausdruck von Gedanken, Gefühlen und Handlungsabsichten (Handlung, Intention, Gabelentz, 1891). Von S. macht der Mensch in der alltäglichen Kommunikation und in der Dichtung Gebrauch. Dazu befähigen ihn die kogn. Mechanismen des SprechensSprachproduktion) und des Sprachverstehens (Sprachrezeption). Kommunizieren ist ein Typus sozialer Interaktion und demgemäß in seiner jew. Realisierung von kult. und sozialen Regeln und Gepflogenheiten geprägt. S. ist somit die Bez. für eine vielfältige Gruppe von Phänomenbereichen, deren jeder Gegenstand spezialisierter wiss. Untersuchung ist. S. als System von Zeichen, ihrer lautlichen und strukturellen Beschaffenheit, ihrer Kombinatorik, ihrer geschichtlichen Entwicklung und typologischen Vielfalt bildet den Gegenstand der Linguistik im engeren Sinne. S. als Fundus von Ausdrucksmitteln (Ausdruck) im täglichen Umgang von Menschen miteinander ist Gegenstand der Sprachverwendungsforschung, je nach Schwerpunktsetzung der Konversationsanalyse, auch Diskursanalyse, der Sprechaktanalyse und der Soziolinguistik (Clark, 1996). Die kogn. Zustände und Prozesse, die zus. die Sprachbeherrschung ausmachen, untersucht die Psycholinguistik, Sprachps. Die Installation der Sprachfähigkeit und der Sprachverwendung in Arealen und in Aktivationen des menschlichen Gehirns untersucht die Neurolinguistik, ebenso – mit der Klinischen Linguistik – die Sprachkrankheiten und Sprachstörungen. Sprachliche Besonderheiten als Spiegelungen kult. Prägung der jew. Sprachgemeinschaft untersucht die Ethnolinguistik und S. als Instrument und Ausdruck wiss. Erkennens die Sprachphilosophie; die Sprachverwendung in der Dichtung schließlich wird in den ling. Analysen der Literaturwissenschaft behandelt. In der frühen Kindheit bis zum Alter von drei bis vier Jahren erworben, umfasst das sprachliche Symbolsystem lexikalisches Wissen (W.), d. h. deklaratives W., und grammatisches W., d. h. prozedurales W. Das lexikalische W. des Erwachsenen enthält ca. 30 000 lexikalische Einheiten, gemessen an der Zahl der Konzepte. Jede Einheit ist ein gegliedertes Ensemble aus Laut- und ggf. Schriftmerkmalen, Lexem, Merkmalen syntaktischer Eigenschaften, Lemma, und Angaben zur Bedeutung, Konzept. Das grammatische W. ist ein hierarchisch organisiertes System aus syntaktischen Kategorien (Syntax), zw. denen drei Typen von Beziehungen bestehen. Über vertikale Beziehungen, Dominanz, ist jede syntaktische Kategorie mit den hierarchisch niedrigeren Kategorien, Konstituenten, verbunden, aus denen sie zus.gesetzt werden kann. Horizontal ist eine Kategorie mit denjenigen verbunden, die aus der gemeinsamen höheren Kategorie abgeleitet werden können, Kokonstituenten. Im Vergleich weist jede der ca. 6000 kulturspezif. geprägten Einzelsprachen typologische Charakteristika lautlicher, syntaktischer und/oder lexikalischer Merkmale auf. Anhand von Gemeinsamkeiten solcher Charakteristika lassen sich strukturell best. Sprachgruppen bestimmen, ebenso Sprachfamilien, deren Mitglieder sich geschichtlich aus einer gemeinsamen Vorgängersprache ableiten. Eine strukturell best. Sprachgruppe ist z. B. die Gruppe der sog. Tonsprachen; das sind die S., in denen semantisch diskrete lexikalische Einheiten mit gleicher Lautfolge unterschiedliche Tonverlaufskonturen aufweisen. Eine Sprachfamilie ist z. B. die Familie der sog. indoeuropäischen S., also Sanskrit, germanische und romanische S. u. a. (Comrie, 1987). Ziel der Linguistik als Kerndisziplin der Sprachforschung ist eine begrifflich kohärente, vollst. und empir. bestätigte Theorie der S. und des sprachlichen Verhaltens. Seit dem Beginn der gut hundertjährigen Geschichte der Linguistik wird dies von verschiedenen Ausgangspunkten angestrebt. Allen gemeinsam ist der Befund, dass jede S. ein System von symbolischen Einheiten ist, die hinsichtlich Form, Funktion und Zusammenhang untereinander drei Klassen von Merkmalen aufweisen: Bedeutung, syntaktische Merkmale und Lautmerkmale. Bei aller Verschiedenheit zwischen den einzelnen S. ist allen eines gemeinsam: Es besteht keine systematische Beziehung zwischen der Bedeutung eines Wortes und seiner lautlichen Form. Diese Zuordnung ist von S. zu S. versch. und in allen arbiträr. Was im Dt. als Buch bez. wird, heißt im Japanischen hon und im Lat. liber. Die Sonne wird im Dt. mit einem femininen, der Mond mit einem maskulinen Nomen bez.; im Französischen ist es umgekehrt. Andere Verbindungen sind dagegen regelhaft und auf sie richtet sich die linguistische Forschung in ihren drei Analysebereichen Semantik, Grammatik und Phonetik, Phonologie. In allen drei Teildisziplinen werden Antworten auf drei Fragen gesucht: (1) Worin bestehen die in jedem Bereich vorzufindenden sprachlichen Einheiten? (2) Nach welchen Gesetzmäßigkeiten verbinden sie sich zu komplexeren Einheiten? (3) Welche systematischen Beziehungen bestehen zw. den Einheiten der drei Gliederungsbereiche Semantik, Syntax und Phonologie? Angesichts der bei aller Verschiedenheit bestehenden grundsätzlichen Ähnlichkeit der Einzelsprachen stellt sich schließlich eine vierte Frage: (4) Wie erklären sich die allen Sprachen gemeinsamen Struktureigenschaften? In der Bemühung um eine kohärente, begrifflich präzise und empirisch begründete theoretische Gesamtkonzeption werden im Wesentlichen zwei konkurrierende Strategien verfolgt, die funktionale und die universalgrammatische Sprachtheorie. Erstere, die funktionale Sprachtheorie (Halliday, 1985), geht von der semantischen Funktion einer (Teil-)Struktur aus und erfasst die formalen Mittel, die die jew. Funktion ausdrücken. Die universalgrammatische Theorie (UG.-Theorie, Universalien, universelle Grammatik) geht von einem artspezifisch menschlichen, als universal postulierten sprachlichen W. von universalen sprachlichen Strukturprinzipien aus, die den syntaktischen Aufbau des Satzes und seiner Konstituenten sowie deren Abbildung auf die lineare Abfolge der Wörter im Satz erklären (Chomsky, 1981, 1995). Diese hat den Vorzug, mehrere typologisch versch. S. in einem gemeinsamen und einheitlichen Modell beschreiben zu können, ebenso ihre Verschiedenheit, einschl. Schnittstellen zur semantischen und phonologischen Beschreibungsebene (Culicover & Jackendoff, 2005). Problematisch ist allerdings, dass der Erklärungsansatz auf der Annahme angeborenen, unbewussten sprachspezif. Strukturwissens jedes Menschen beruht, eine Annahme, die bisher keine unabh. empir. Bestätigung erfahren hat.

Referenzen und vertiefende Literatur

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