Spracherlernen

 

(= S.) [engl. language learning], [EW, KOG], die Frage, wie sich die Fähigkeit zur spontanen Sprachproduktion und zum Wahrnehmen, Entschlüsseln und Interpretieren von Sprachsymbolen (Sprachrezeption, Symbol) entwickelt, wurde und wird versch. beantwortet. Es können drei versch. Ansätze unterschieden werden: (1) Behaviorismus: Watson, 1919, Skinner, 1957, (2) Neo-Behaviorismus: Osgood, 1953, Staats, 1968b, (3) Rationalismus: Chomsky, 1965, McNeill, 1966, 1970. Wird im ersten ein Einstufenmodell der verbalen Konditionierung vertreten, so werden im zweiten intervenierende Variablen oder hypothetische Konstrukte als nicht beobachtbare Zwischenglieder in das Stimulus-Response-Modell eingeführt (Vermittlungstheorie). Die Erklärungsadäquatheit beider Systeme wird wiederum von den Vertretern des Rationalismus in Zweifel gezogen, nach denen Sätze durch Anwendung von Regeln konstruiert werden. Setzt sich heute gegenüber dem assoziationistischen Ansatz immer mehr ein kognitionspsychol. durch, so wird doch nach wie vor für die Beschreibung des Bilingualismus und Multilingualismus auf die Mediationstheorie (Osgood, 1953) zurückgegriffen. Dass unter S. primär das Lernen der sprachlichen Fähigkeit erfasst wird, d. h., dass darunter Fragen zum Spracherwerb und zur Sprachentwicklung fallen, geht auf den in den 1950er-Jahren beginnenden Einfluss der Linguistik und der Anthropologie auf die Ps. zurück. Zwar hatte man seit Ebbinghaus (1885) mit sog. sinnlosen Silben operiert und Anfang der 1930er-Jahre auch Interesse an Wortbedeutungen als unabhängigen Variablen gezeigt; alle diese Bestrebungen wie auch die Wortassoziationsexperimente waren jedoch primär darauf hin angelegt, best. Aspekte des Lernprozesses zu untersuchen, und nicht darauf hin, die Entwicklung des ganzen sprachlichen Systems zu verfolgen.

Referenzen und vertiefende Literatur

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