Sprachstörungen

 

(= S.) [engl. language disorders], [BIO, DIA, EW, KLI, KOG], pathologische Beeinträchtigungen des zentralen Sprachsystems. Folg. Dimensionen werden bei S. unterschieden: (1) Zeitpunkt ihres Auftretens im Entwicklungs- bzw. Lebensverlauf: Während erworbene S. nach vollendetem Spracherwerb auftreten (Aphasie, Aphasie, (primär) progressive, S. bei Schizophrenie) oder die bis zum Erkrankungsbeginn normal verlaufende Sprachentwicklung stören (kindliche Aphasie, S. bei Schizophrenie im Kindesalter, Landau-Kleffner-Syndrom, Heller’sche Demenz), verläuft bei entwicklungsbedingten S. die Sprachentwicklung nicht altersgemäß (Sprachentwicklungsverzögerung, spezifische (umschriebene)). (2) Klin. Erscheinungsbilder (Symptome): S. zeigen sich in der Spontansprache und/oder in gezielten Testaufgaben als Beeinträchtigungen von Sprachfunktionen wie bspw. dem auditiven Verstehen von Wörtern und Sätzen. Wortfindungsstörungen, bzw. ein geringer Wortschatz bei Kindern, gehören zu den häufigsten bzw. frühen Symptomen. Es können vorwiegend eine der linguistischen Komponenten  (Semantik, mentales Lexikon, Phonologie, Morphologie, Syntax) und Modalitäten (Sprachproduktion, Sprachrezeption) betroffen sein oder auch mehrere gleichzeitig. (3) Kognitiv-funktionale Ursache: Insbes. auf Wortebene werden die gestörten Sprachfunktionen häufig in einem kognitiv-funktionalen Modell der Sprachverarbeitung (z. B. Logogen-Modell) erklärt. Die Sprachtherapie kann dann direkt auf die im Modell festgestellten Störungsursachen bzw. auf die gestörten Funktionen ausgerichtet werden, die gestörten sprachlichen Funktionen umgehen und/oder bestehende Kapazitäten nutzen. (4) Verlauf: Handelt es sich um ein einmaliges, akutes Ereignis (z. B. beim Auftreten einer (kindlichen) Aphasie), so kann sich aufgrund der neuronalen Plastizität und mit sprachtherap. Unterstützung (Sprachtherapie) die S. vollst. oder teilweise zurückbilden. Handelt es sich um eine degenerative Grunderkrankung (Heller’sche Demenz) oder um eine persistierende Grunderkrankung ggf. mit fortgesetzten Ereignissen (z. B. Multiinfarkt-Demenz), so ist eine progrediente Verschlechterung der Leistung zu erwarten. (5) Med. Ursache (Ätiologie): Zu den med. Ursachen der neurologisch bedingten, erworbenen Sprachstörungen zählen SchlaganfallSchädel-Hirn-Trauma und Demenz. Die resultierenden Schädigungen und Dysfunktionen umfassen Sprachareale des menschlichen Gehirns (Sprachzentrum). Für entwicklungsbedingte S. werden primär genetische Faktoren verantwortlich gemacht, während Umwelteinflüsse weniger bedeutsam zu sein scheinen, und es wurde eine abweichende Entwicklung von Konnektivitäten und Sprachlateralisierung im Gehirn berichtet. S. als pathologische Beeinträchtigungen sind insbes. abzugrenzen von (a) vorübergehenden sprachlichen Fehlleistungen, wie sie bspw. bei Versprechern sprachgesunder Personen vorkommen, (b) psychogenen S. (psychogen) aufgrund von Erlebnissen bzw. als Teil einer psych. Sörung, (c) peripheren Beeinträchtigungen von Sprechplanung und Motorik sowie von Sensorik und Wahrnehmung und (d) Störungen von KognitionWahrnehmung und Gedächtnis. Allerdings kann neben einer primären S., bei der die Beeinträchtigung der Sprache ursächlich für das klin. Erscheinungsbild ist, eine sekundäre S. auftreten, bei der Komorbiditäten sich neg. auf die Sprachleistung auswirken oder sie im Falle einer Sprachentwicklungsstörung (mit) verursachen, nämlich bei peripheren (z. B. Hörstörung, Sprechapraxie/Entwicklungsdyspraxie), kogn./kommunikativen (z. B. Autismus-Spektrum-Störung) und mnestischen (z. B. Alzheimer-Krankheit) Störungen. Primäre und sekundäre S. können gleichzeitig in einer Person auftreten und die Diagnose der zugrunde liegenden Störungsursache erschweren. Entwicklungsstörungen, umschriebene.

Verwendete Literatur

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