Stammeln, Dyslalie

 

[engl. lingual titubation, dyslalia; gr. δυσ- (dys-) miss-, λαλέιν (lalein) sprechen], [EW, KLI, KOG], Erscheinungsbild verbreiteter Sprachstörungen im Kindesalter. Beschrieben wird v. a. eine gestörte Artikulation, bei der best. Phoneme oder Phonemgruppen völlig fehlen, durch andere Phoneme ersetzt (Paralalie, z. B. Parasigmatismus) oder fehlerhaft gebildet werden (Dyslalie i. e. S., z. B. Zunge zw. den Schneidezähnen beim Sigmatismus interdentalis), während sie bei manchen Arten des Stammelns auditiv richtig unterschieden werden können. Einteilung nach Fehlerhäufigkeit in partielles Stammeln (Ausfall von 1 bis 2 Lauten), multiples Stammeln (Ausfall von mehr als 2 Lauten; Verständlichkeit vermindert) und universelles Stammeln (gesamter Lautbestand betroffen). Andere Formen sind ferner das Silbens. und das Worts. (besser: unregelmäßiges Stammeln); hierbei werden die Phoneme einzeln oder in manchen Verbindungen richtig, in anderen aber fehlerhaft ausgesprochen, ausgelassen (Elision), umgestellt (Prolepsie, Metalepsie) oder ineinander verschmolzen (Kontamination). Wenn das Stammeln die Periode einer noch unvollkommenen, aber normalen Sprachentwicklung des Kindes (physiol. Stammeln) überdauert, muss in einer multidisziplinären Sprachdiagnostik deutlich unterschieden werden zw. den das Stammeln bedingenden, funktionalen Störungen (z. B. Hörbehinderungen, akustische Agnosie, auditive Unaufmerksamkeit; Anomalien im Bau der Sprechwerkzeuge wie etwa Gaumenspalten; DysglossienDysphasien und Oligophrenien) und deren Ätiologie (z. B. frühkindliche Hirnschädigungen, erbliche Faktoren, Stoffwechselstörungen, Erkrankungen, unzureichend sprachliche Vorbilder in der Umgebung usw.). In der späteren Entwicklung häufig Vorliegen von LRS (Lese-Rechtschreib-Störung) mit ähnlichen Fehlerarten, PolternStottern oder Sprachschwäche.