Stern, William Louis

 

(1871–1938), [HIS, EW, PER], William Louis Stern war ein vielseitig tätiger Psychologe und Philosoph. Heute wird er v. a. als Entwicklungspsychologe und Begründer der sog. Differentiellen Psychologie gesehen. Auf William Stern geht die Bez. Intelligenzquotient zurück. Er selbst sah seine Theorie des kritischen Personalismus als wichtigen Beitrag zur Ps. (Stern, 1935). Stern forschte aber auch zur Aussagepsychologie und anderen Fragestellungen der Angewandten Psychologie. Gemeinsam mit seiner Frau Clara Stern führte er Tagebuch zur frühkindlichen Entwicklung der drei Kinder Hilde (1900–1961), Günther (1902–1992) – später Günther Anders – und Eva (1904–1992). Die erhobenen Daten waren Gegenstand weit späterer Untersuchungen zur Sprachentwicklung (Deutsch, Werner). Stern wurde am 29. April 1871 als einziger Sohn des Kauf­manns Sigismund Stern und seiner Frau Rosa in Berlin geb. Bereits mit 17 Jahren begann er in Berlin mit dem Studium der Philosophie und Ps., 1893 promovierte er. Als Doktorvater wird meist Hermann Ebbinghaus angegeben, doch war der Betreuer der Arbeit über die Analogie im volkstümlichen Denken sicher Moritz Lazarus. Die Disputation erfolgte bei den Professoren Wilhelm Dilthey und Eduard Zeller. Unter dem Einfluss der Lehrer Carl Stumpf und Hermann Ebbinghaus entstanden mehrere exp. Arbeiten über die Wahrnehmung von Hellig­keits­veränderungen, von Bewegungen und Tonhöhen­veränderungen. Zu Letzteren entwickelte Stern den Tonvariator, einen Apparat zur Erzeugung gleichmäßig veränderbarer Töne (Stern, 1902). Nach der Habilitation 1897 mit einer experimentalpsychol. Arbeit trat Stern zum Wintersemester 1897/98 eine Professur in Breslau an. Ab 1916 lehrte er als Professor für Philosophie und Ps. in Hamburg. Dort war Stern aktiv an der Gründung der Universität beteiligt. An dem von Stern geleiteten Psychol. Institut entstanden u. a. die entwicklungspsychol. Arbeiten von Martha Muchow zum Lebensraum des Kindes. 1933 wurde Stern aufgrund der rassistischen Beamtengesetze in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Stern emigrierte daraufhin mit seiner Frau Clara Stern über die Niederlande in die USA, wo er an der Duke University lehren konnte. 1938 starb er in Durham, NC.

Referenzen und vertiefende Literatur

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