Sternberg-Paradigma

 

(= S.-P.) [engl. Sternberg paradigm; gr. παϱάδειγμα (paradeigma) Beispiel, Muster], [KOG], auch Additive Faktorenmethode nach S. Sternberg genannt; exp. Technik zur Analyse eines zw. Reizdarbietung und Reaktion ablaufenden kogn. Prozesses in einzelne, hintereinander geschaltete, empirisch unterscheidbare, durch ihre Funktion und ihren Zeitverbrauch zu kennzeichnende Verarbeitungsstufen aufgrund der Reaktionszeitmessung.

Das S.-P. besteht in einem varianzanalyt. (Varianzanalyse) Versuchsplan mit der abh. Variablen Reaktionszeit, in dem mehrere unabh. Variablen (Faktoren), die je mind. zwei Ausprägungen enthalten, gekreuzt sind. Die Faktoren werden so ausgewählt, dass jeder wenigstens eine der zunächst nur theoret. postulierten kogn. Verarbeitungsstufen mutmaßlich beeinflusst (z. B. Reizqualität – Reizencodierungsstufe, Vergleichsschwierigkeit – Vergleicherstufe, relative Häufigkeit einer Antwort – Antwortausführungsstufe usw.). Ein signifikanter Haupteffekt wird dann als Bestätigung der Existenz einer zugehörigen Verarbeitungsstufe und ihrer Beeinflussung durch den entspr. Faktor, eine signifikante Zweifachwechselwirkung als Beeinflussung einer Stufe durch zwei Faktoren, eine Dreifachwechselwirkung als Beeinflussung einer Stufe durch drei Faktoren interpretiert usw. Bedeutsam für die Methode ist v. a. der Umkehrschluss: Wenn zwei Faktoren zwei Haupteffekte, aber keine Wechselwirkung erzeugen, kann die Existenz zweier Stufen, deren jede zu einem der beiden Faktoren gehört, postuliert werden. Das Verfahren enthält z. T. induktive und stat. schwache Schlüsse (z. B. vom Fehlen einer Wechselwirkung auf die Existenz zweier Stufen) und kann deshalb nicht mechanisch angewandt werden; es hat jedoch seit Mitte der 1960er Jahre in vielen gut durchdachten Versuchsreihen so bedeutsame Resultate erbracht, dass man von einem Durchbruch in der Reaktionszeitforschung sprechen kann.

Mit dem Begriff S.-P. wird oft auch eine spez. Anwendung der Methode der additiven Faktoren bez., Sternbergs Experiment zur Suche im Kurzzeitgedächtnis (Sternberg, 1966, Gedächtnis). Informationsverarbeitung.

Referenzen und vertiefende Literatur

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