Störungen des Sozialverhaltens, Psychotherapie

 

[engl. conduct disorders, psychotherapy], [KLI], i. R. verhaltenstherapeutischer Programmen werden Problemlöse- (Problemlösen) und soziale Fertigkeiten (soziale Kompetenzen) vermittelt, wodurch sich das eingeschränkte Verhaltensrepertoire bei Störungen des Sozialverhaltens (SSV.) erweitert (Petermann & Petermann, 2012). Defizite in der Wutbewältigung, Antizipation von Handlungskonsequenzen und Situationswahrnehmung werden verbessert, indem u. a. die Wahrnehmung geschult, Einfühlungsvermögen, kooperatives Handeln und eine angemessene Selbstbehauptung eingeübt werden. Kinder lernen zw.menschliche Situationen besser zu verstehen und Konflikte adäquat zu bewältigen. Bei jüngeren Kindern (bis 8 Jahren) sind die Elterntrainings zentral. Diese basieren auf der Annahme, dass Eltern durch ihr unangemessenes Erziehungsverhalten beachtlich dazu beitragen, dass sich eine aggressive Störung entwickelt und stabilisiert. Ziel ist es, ein Verhalten aufseiten der Eltern aufzubauen, das in der Familie pos. Interaktionsmuster mit den eigenen Kindern ermöglicht (Interaktionsstörungen). In den Trainings werden die Eltern über das aggressive Verhalten und Bedingungen aufgeklärt, die es aufrechterhalten. Es wird ein wertschätzend-positiver, aber auch konsequenter Umgang mit ihren Kindern gefördert. Die Effektivität der Elterntrainings hängt sehr stark von der psych. Verfassung der Eltern und deren Motivation ab. Die höchste Intensitätsstufe repräsentiert die multisystemische Therapie, die für Jugendliche mit schweren SSV. konzipiert wurde (Henggeler et al., 2012). Bei dieser Herangehensweise wird berücksichtigt, dass das aggressive Verhalten in Wechselwirkung mit mehreren Bereichen (Familie, Eltern, Freundeskreis, Schule etc.) steht. Der Ansatz zielt daher nicht allein auf den Betroffenen alleine, sondern bezieht das soziale Umfeld mit ein. Entspr. werden individuums-, eltern- und familienzentrierte Therapien integriert und weitere Maßnahmen, wie Paartherapie, angeboten. Die Interventionen finden wöchentlich innerhalb der Familie statt. Die multisystemische Therapie ist als Fallmanagement zu verstehen, in dem der Therapeut mit den Familien und weiteren relevanten Personen Therapieziele aufstellt und die Umsetzung in den versch. Lebensbereichen unterstützt. Die Kontakte finden hochfrequent statt – bis zu 15 Std. pro Woche – über einen Zeitraum von vier bis fünf Monaten. Trotz der Kürze hat sich die Maßnahme als sehr wirksam erwiesen, die familiäre Funktionsfähigkeit zu bessern und aggressives Verhalten abzubauen. Insges. sollte die Therapie der SSV. multimodal erfolgen. Eltern- und kindzentrierte Therapien sind kombiniert zu realisieren. Im Falle schwer ausgeprägter Störungen muss das Behandlungskonzept um weitere Therapieangebote ergänzt werden, hierzu zählen auch päd. Maßnahmen und Pharmakotherapie (Störungen des Sozialverhaltens, Psychopharmakotherapie). Am geringsten von den Maßnahmen zu profitieren scheinen Betroffene, die eine SSV. mit ausgeprägten psychopathischen Merkmalen aufweisen.

Referenzen und vertiefende Literatur

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