Stressreaktivität

 

(= S.) [engl. stress reactivity], [GES, PER], ist eine Disposition, die interindiv. Unterschieden in Stress-Reaktionen zugrunde liegt. S. ist ein Vulnerabilitätsfaktor für die Entwicklung von Gesundheitsstörungen und daher besonders relevant für die Gesundheitspsychologie und Verhaltensmedizin. S. zeigt sich in zeitlich stabilen Unterschieden zw. Personen in einem (spezif. S.) oder allen (allg. S.) der Bereiche, in denen Reaktionen auf Stress beobachtet werden können: Verhalten, Physiologie (insbes. kardiovaskuläre Aktivität, endokrines System), Emotion und Kognition. S. wird durch genetische und frühe Umweltfaktoren beeinflusst. Die Messung der S. erfolgt durch Erfassung aktueller Stressreaktionen im Labor oder im Feld durch psychometrische und psychophysiol. Methoden (z. B. Blutdruck, Herzratenvariabilität, Kortisol). Alternativ können typische Stressreaktionen in versch. Situationen über Selbstberichte mittels psychometrischer Skalen erfasst werden. Erhöhte kardiovaskuläre S. ist ein Risikofaktor für kardiovaskuläre Krankheiten zusätzlich zu den klassischen Risikofaktoren (z. B. Adipositas, Rauchen). Es bestehen auch Hinweise auf Zusammenhänge spezif. S. in anderen Reaktionsbereichen (emot. Reaktionen; Reaktionen der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HHN-Achse)) mit körperlichen Krankheiten und psych. Störungen. Das Konzept der allg. S. beruht auf der Annahme, dass Stressreaktionen einen gemeinsamen Ursprung in Gehirnarealen haben, die den Zusammenhang zw. Stressexposition und Stressreaktionen in versch. Bereichen vermitteln, sodass die Stressreaktionen homogen sein sollten. Neben moderaten Korrelationen finden sich aber häufig auch Dissoziationen zw. Stressreaktionen versch. Bereiche. Dementsprechend ist es nicht sinnvoll, eine spezif. indiv. Stressreaktion in einem Bereich als Indikator für die allg. S. heranzuziehen. Stress, chronischer, Stressbewältigung.

Referenzen und vertiefende Literatur

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