Stuhldialoge

 

(= S.), syn. Stuhltechniken, [KLI], bez. eine therap. Technik, die ursprünglich im Psychodrama entwickelt wurde und traditionell wohl am meisten mit der Gestalttherapie in Verbindung gebracht wird. Sie lässt sich einsetzen, um innere Konflikte oder Widersprüche oder konflikthafte soziale Dynamiken zu erfahren, zu verstehen und einen besseren Umgang damit zu finden. Dazu wird jeder Anteil des Pat. oder des sozialen Systems auf einem eigenen Stuhl repräsentiert; über die Einnahme der versch. Perspektiven wird ihre Dynamik nachvollzogen und mit Veränderungen experimentiert. Ein weiteres bekanntes Format der Stuhltechnik ist die Arbeit mit einem unfinished business ([engl.] unabgeschlossene Angelegenheit], wenn sich der Klient von einer best. (lebenden oder verstorbenen) Person nicht lösen kann. Dabei wird für diese Person ein leerer Stuhl aufgestellt, dem sich der Pat. gegenübersetzt, um seine Gefühle und insbes. seine Ambivalenzen auszudrücken und zu klären. S. sind sehr flexibel nutzbar und lassen sich daher in nahezu jeden therap. Ansatz integrieren. Hier soll exemplarisch auf 3 Ansätze eingegangen werden, die in jüngerer Zeit Stuhltechniken systematisch einsetzen und die Technik so zunehmend auch in der aktuellen Psychoth. etablieren. In der Schematherapie werden S. insbes. genutzt, um die Therapieziele i. S. des Schema-Modus-Ansatzes zu verfolgen. Mithilfe von S. können bspw. Bewältigungsmodi «interviewt» und ihre Funktionalität erfahrbar gemacht werden. Ärgerliche Kindmodi können ventiliert, verletzliche Kindmodi getröstet werden. Eine bes. Bedeutung kommt der Bekämpfung von strafenden Elternmodi i. R. von S. zu, bei denen bspw. auch der Stuhl des strafenden Elternmodus aus dem Raum verbannt werden kann. In der emotionsfokussierten Therapie wird der sog. self-critical-split ([engl.] selbstkritische Aufspaltung) des Pat. bearbeitet, d. h., Emotionen wie z. B. Scham, Schuld, Einsamkeit, welche durch selbstkritische bzw. selbstverurteilende Selbstanteile aktiviert werden. In der Zwei-Stuhl-Arbeit werden diese konfliktären Selbstanteile (das kritische Selbst und das erlebende, leidende Selbst) in einen Dialog gebracht und deren Integration angestrebt. Hierbei wird das erlebende Selbst in Kontakt mit seinen adaptiven Bedürfnissen gebracht und dazu ermutigt, diese gegenüber dem Kritiker selbstbewusster zu vertreten. Die Haltung des Kritikers hingegen wird aufgeweicht und dieser in einen angemessenen Dialog mit dem erlebenden Selbst gebracht. Für die Wirksamkeit der emotionsfokussierten Therapie gibt es mittlerweile eine Vielzahl an empirischen Nachweisen. In der compassion-focused therapy werden S. insbes. zum Aufbau von Selbstmitgefühl und zur Bekämpfung innerer kritischer Stimmen eingesetzt.

Wirksamkeit: Zu einigen der erwähnten Ansätze, in denen S. einen festen Platz haben, liegen Wirksamkeitsnachweise vor, die prinzipiell auch auf eine gute Wirksamkeit von S. hinweisen. Studien zur Wirksamkeit von Stuhltechniken als einziger Intervention sind noch rar und beschränken sich auf kurze Interventionen und Pilotstudien. Allerdings sind hier in letzter Zeit pos. Entwicklungen zu beobachten. Randomisierte kontrollierte Studien mit längeren Behandlungszeiträumen stehen noch aus.

Referenzen und vertiefende Literatur

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