Sulpirid

 

(= S.) [engl. sulpiride], [PHA], S. ist ein niedrigpotentes Antipsychotikum aus der Gruppe der substituierten Benzamide. S. antagonisiert selektiv D2- und D3-Dopaminrezeptoren, wobei es sich wahrscheinlich mehr im mesolimbischen als im nigrostriatalen System des Gehirns anreichert und die vornehmlich von den klassischen Antipsychotika der sogenannten ersten Generation (auch: klassische Antipsychotika) bekannten extrapyramidal-motorischen Nebenwirkungen seltener auftreten. In niedriger Dosierung scheint S. eine antidepressive Wirkung zu haben (Depression, Depression, Psychopharmakotherapie). Tierexperimentelle Untersuchungen legen nahe, dass die durch eine Blockade präsynaptischer Dopaminrezeptoren verursachte gesteigerte Neurotransmitterfreisetzung funktionell die Antagonisierung postsynaptischer Rezeptoren überwiegt. Ob die präferentiell mesolimbische Bindung oder der bevorzugte  Antagonismus von Autorezeptoren eine Rolle beim Menschen spielt, ist unklar. Erst ab höheren Dosierungen von 300 bis 600 mg beeinflusst S. auch psychotische Symptomatik (Psychose). S. zeigt kaum Bindung an Plasmaproteine und wird rasch und überwiegend renal eliminiert. Bis zu 95 % des systemisch verfügbaren S. wird unverändert über die Nieren ausgeschieden. S. ist zugelassen zur Behandlung von akuten und chronischen  Schizophrenien (Schizophrenie, Psychopharmakotherapie) im Erwachsenen- und Kindesalter, depressiven Störungen, wenn die Behandlung mit einem anderen Antidepressivum erfolglos war oder nicht durchgeführt werden kann, sowie zur Behandlung peripher-labyrinthärer Schwindelzustände bei Morbus Menière. Dosierung und Anwendungsdauer richten sich nach Art und Schwere des Krankheitsbildes. Im Allgemeinen sollte eine Tagesdosierung von 1000 mg nicht überschritten werden, bei therapieresistenten Schizophrenien sind bis zu 1600 mg täglich zugelassen, bei Depressionen liegt die übliche Tagesdosierung im Bereich bis 300 mg.