Synästhesie

 

(= S.) [engl. synesthesia; gr. σύν (syn) mit, gemeinsam, zusammen, αἴσθησις (aisthesis) Empfindung], [EM, WA], syn. Mitempfindung, d. h. gleichzeitiges Empfinden von zwei verschiedenen Eindrücken bei Reizung eines Sinnesorgans. Hören von Tönen bei Farbeneindruck, Sehen von Farben bei Tönen, Verbindungen zw. Sehen und Geschmack, Geruch und Geschmacksempfindung, Ton und Geschmack u. a. m. Synästhetiker ist die Bez. für den, der S. erlebt. S. kann durch die Wirkung einer Substanz (z. B. best. Drogen) oder durch körperliche oder psych. Erkrankungen ausgelöst werden, aber manche gesunde Menschen erleben S. auch in ihrer alltäglichen Wahrnehmung. Erste Beschreibungen der S. stammen aus dem 19. Jhd. Die S. wird seit den frühen 1980er-Jahren von Forschergruppen wieder verstärkt untersucht. Man geht heute davon aus, dass die Zahl der genuinen Synästhetiker, die S. seit ihrer Kindheit in ihrer alltäglichen Wahrnehmung erleben, zw. 1:500 und 1:25 000 liegt. S. tritt familiär gehäuft und bei Frauen achtmal häufiger auf als bei Männern. Es wird daher vermutet, dass Anlagen auf dem X-Chromosom oder hormonelle Faktoren bei der Gehirnentwicklung für die Entstehung verantwortlich sein könnten. Die häufigste Form ist das Farbenhören, bei dem das Hören best. Geräusche, Töne, Buchstaben oder Zahlen mit dem Sehen best. Farben auf einem inneren Monitor oder außerhalb des eigenen Körpers einhergeht. S. ist i. d. R. unidirektional, z. B. das Hören eines Buchstabens geht immer unwillkürlich mit dem Sehen einer best. Farbe einher, aber das Sehen dieser Farbe geht nicht mit dem Hören des Buchstabens einher. Synästhetiker unterscheiden sich untereinander stark in ihren synästhetischen Wahrnehmungen, jedoch ist die S. intraindiv. sehr konsistent, z. B. ruft der Buchstabe «a» bei derselben Person lebenslang ein best. Rot hervor. Von der genuinen S. unterscheidet man eine metaphorische oder Gefühlss., bei der z. B. das Hören von Musik von synästhetischen Wahrnehmungen begleitet wird oder synästhetische Wahrnehmungen mit starken Emotionen einhergehen. Mithilfe bildgebender Verfahren wird untersucht, welche Gehirnareale mit der S. in Verbindung stehen. Das limbische System, der präfrontale Kortex und die Großhirnrinde (Gehirn) allg. scheinen von zentraler Bedeutung zu sein.

Referenzen und vertiefende Literatur

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