Syntax

 

(= S.) [engl. syntax; gr. σύν (syn) mit, gemeinsam, τάξις (taxis) (An)ordnung], [KOG], bezeichnet die Konstruktionseigenschaften des Satzes (Satz) als größter grammatischer Einheit der Sprache. Der S. gelten drei große Fragen der Sprachwissenschaft und der Psycholinguistik: (1) Welche formal unterscheidbaren Wortklassen weist eine Sprache auf?, (2) welche strukturellen Beziehungen bestehen zw. den grammatischen Einheiten des Satzes? und (3) welche syntaktischen Funktionen (Satzglieder) sind in den Sätzen einer gegebenen Sprache realisiert? Daraus ergeben sich für die Syntaxforschung entspr. mehrere Aufgaben. Die sachlogisch erste ist, Beschreibungskategorien für die Erfassung der Wortarten (Nomina, Verben, Adjektive usw.), die strukturellen Relationen (Konstituenz, Valenz, Dominanz, C-Kommando, Rektion u. a.) sowie für die Funktionen (Subjekt, Apposition, Prädikat u. a.) zu erarbeiten und damit die Formeigenschaften aller grammatischen Sätze einer Sprache zus.hängend zu beschreiben. Aus der Tatsache, dass Sätze aller natürlichen Sprachen ineinander übersetzbar sind, ergibt sich als zweite Aufgabe, die syntaktischen Gegebenheiten der Einzelsprachen als Ausprägung universaler Eigenschaften zu erklären. Und da die S. nur einer der Regelungsbereiche der Sprache ist, stellt sich als dritte Aufgabe, die Natur und die Mechanismen der Verbindungen der S. mit der Lautseite des Satzes (Phonetik) und der Bedeutung des Satzes (Semantik) zu explizieren. Wissenschaftshistorisch gehört die S. zu den am frühesten systemat. bearbeiteten Feldern der Linguistik. Zeugen der mehr als zweitausendjährigen Geschichte der S.Forschung sind Paninis Grammatik des Sanskrit spätestens aus dem 4. Jhd. v. Chr. (Böthlingk, 1840) und die Grammatik des Griechischen von Dionysios Thrax aus Alexandria (s. Ahrens, 1969). Die wesentlichen Entwicklungen bis auf die heutige Zeit bestehen in der Wendung der Syntaxforschung von hoch stilisierten Texten der Dichtung und religiöser Rituale zur alltäglichen Gebrauchssprache. Als Meilensteine in der Theorieentwicklung gelten der Strukturalismus (de Saussure, 1916, Bloomfield, 1933, Tesnière, 1959), die einheitliche Beschreibung von Lautklassen und syntaktischen als Merkmalbündel (Chomsky & Halle, 1968), die generative S. (Baltin & Collins, 2001), die semantische Erklärung von Kasus und Argumentstruktur im Satz (Fillmore, 1968) die kohärente Modellierung von S. und Semantik (Culicover & Jackendoff, 2005) und die Entwicklung der Construction Grammar, die eine integrierte Beschreibung von S. und Bedeutung ermöglicht (Fillmore et al., 1988, Goldberg, 1995). Als begrifflich zus.hängende Erklärung der syntaktischen Formen unter Bezug auf die biol. Ausstattung des Menschen mit angeborenem universalem Wissen sprachlicher Strukturprinzipien gilt Chomskys Theorie der Universalgrammatik (Universalien, universelle Grammatik). Eng mit ps. Fragestellungen verbunden sind die Phänomene des syntaktischen Verstehens, human parsing (Pickering & van Gompel, 2006), sowie die Lernbarkeit von syntaktischen Regelsystemen natürlicher Sprachen (Goldberg, 2006).

Referenzen und vertiefende Literatur

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