Tacit Knowledge Inventory for Managers (TKIM)

 

1991, von R.K. Wagner und R.J. Sternberg, [AO, DIA, PER], berufsspezifischer soz. Wissenstest, konzipiert als situational judgement test. Vorgegeben werden Kurzbeschreibungen von neun typ. soz. Situationen (Szenarien) aus dem Berufsalltag mittlerer und höherer Führungskräfte und jew. zehn mögliche Maßnahmen zur Bewältigung der Situationen. Für jede Maßnahme soll auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 7 (sehr gut) beurteilt werden, wie gut sie für die erfolgreiche Bewältigung der Situation geeignet ist. Bsp.: «Ihr direkter Vorgesetzter fragt Sie nach Ihrer Meinung zu einer neuen Werbekampagne. Sie finden diese Kampagne schrecklich und halten ihren Einsatz für einen großen Fehler. Sie stellten aber bereits in der Vergangenheit fest, dass Ihr Vorgesetzter wenig kritikfähig ist und außerdem im vorliegenden Fall eher an einer Zustimmung als an einer ehrlichen Meinung interessiert zu sein scheint. Mögliche Maßnahmen: (1) Sie sagen Ihrem Vorgesetzten, dass die Werbekampagne wunderbar ist. (2) Sie sagen Ihrem Vorgesetzten, dass Sie die Arbeit mögen, aber nicht ganz sicher sind, ob das die richtige Werbekampagne für den Kunden ist.» Mit dem TKIM soll berufsspezif. soziales Wissen erfasst werden, stilles Wissen [engl. tacit knowledge (= TK)], das nur selten offen ausgedrückt oder unterrichtet wird, aber als bedeutsam für effektives Managerverhalten erachtet wird (Alltagswissen [engl. common sense]; Straßenwissen [engl. street smarts]). Das TKIM differenziert drei Wissensbereiche: Managing others umfasst Wissen über den Umgang mit Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern. Managing self bezieht sich auf praktisches Wissen über selbstmotivationale und organisatorische Aspekte des eigenen Verhaltens. Managing tasks erfasst Wissen darüber, wie arbeitsbezogene Aufgaben erfolgreich ausgeübt werden können. Die Auswahl der Situationen und Handlungsalternativen erfolgte mit Hilfe der Critical Incident Technique durch Befragung erfahrener Manager nach typischen und schwierigen sozialen Situationen im Berufsalltag sowie auf der Grundlage des Experten-Novizen-Paradigmas durch den Vergleich der Antworten von Experten und Berufseinsteigern. Die mittlere Expertenantwort gilt als richtige Antwort. Die Antwort der Testperson wird als Abweichungsscore bestimmt. Items, bei denen sich die Experten einig waren, werden stark, solche, bei denen sie uneins waren, gering gewichtet (euklidische Distanzscores). TK-Tests liegen für etwa 24 Berufe vor (z. B. Wirtschaftsmanager, Bankmanager, Versicherungsagenten, Offiziere im militärischen Dienst). Reliabilität: Als Reliabilitätsschätzungen (interne Konsistenz) werden Werte von ,74 bis ,80 berichtet. Validität: Verschiedene TK-Tests korrelieren zu ,50, aber nicht oder nur gering mit Maßen der akademischen Intelligenz und allg. Wissen. Berichtet werden inkrementelle Kriteriumsvalidität gegenüber Intelligenz, Persönlichkeitsmerkmalen und beruflicher Zufriedenheit für verschiedene Berufserfolgskriterien, wobei die Substanz dieser Befunde wiederholt infrage gestellt wurde.

Referenzen und vertiefende Literatur

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