Test

 

(= T.) [engl. test; lat. testari bezeugen], [DIA, FSE], (1) psychol. T. sind Datenerhebungsverfahren, die i. d. R. aus mehreren T.aufgaben (T.bogen/T.material) sowie festgelegten Regeln zu dessen Anwendung und Auswertung (T.manual) bestehen. Ziel eines psychol. T. ist es, ein latentes psychol. Merkmal (Konstrukt, Variable, latente) – typischerweise eine Fähigkeit (z. B. Intelligenztests; Leistungstests), ein Persönlichkeitsmerkmal oder die absolute oder relative Ausprägung von Indikatoren einer psych. Störung quant. zu erfassen. Psychol. T. müssen def. Gütekriterien entsprechen (Testkonstruktion, Teststandards). Qual. ausgerichtete projektive T.verfahren (projektive Tests) spielen heute in Forschung und Praxis eine untergeordnete Rolle. Wird ein indiv. T.wert mit empirischen Normwerten verglichen und daraus das T.ergebnis abgeleitet (Normierung), so spricht man von normorientiertem Testen, hierbei geht es um interindiv. Vergleiche. Wird ein indiv. T.wert mit einem vorab def. Kriterium verglichen (z. B. Festlegung von Mindestpunktzahl 50 zum Bestehen eines Schulleistungstests), so handelt es sich um kriteriumsorientiertes Testen.

(2) Diagn. T. dienen der Diagnosestellung (Diagnose). Bei der Diagnostik auf Basis eines Merkmals (z. B. Depressionsskala) werden i. d. R. metrische Skalen verwendet, für die ab einem kritischen Schwellenwert (cut-off point, cutting score) das Merkmal als vorhanden klassifiziert wird. Zur Begründung und Evaluation solcher Entscheidungen sollten versch. Maßzahlen berücksichtigt werden: Sensitivität, Spezifität, negativ prädiktiver Wert (NPV), positiv prädiktiver Wert (PPV), Odds Ratio (OR), ROC, ROC-Kurve.

Bzgl. psychol. und diagn. T. wird weiterhin zw. Speedt. (Geschwindigkeitst.) und Powert. (Niveaut.) unterschieden. Bei Speedt. müssen möglichst viele leichte bis mittelschwere Aufgaben in einem vorgegebenen Zeitintervall korrekt gelöst werden. I. d. R. enthält der Test deutlich mehr Aufgaben, als in der vorgegebenen Zeit bearbeitet werden können. Die Anzahl korrekt bearbeiteter Aufgaben im Zeitintervall (Tempowert) dient als Grundlage für den indiv. erreichten T.wert (z. B. d2-Test). Bei Powert. können Pbn i. d. R. alle Aufgaben in der vorgegebenen Zeit bearbeiten und es kommt darauf an, ob diese bzw. wie viele (ohne markanten Zeitdruck) richtig oder falsch gelöst werden (z. B.: Bis zu welchem Schwierigkeitsniveau ist der Pb in der Lage die Aufgaben zu lösen?). Brähler et al. (2002) unterscheiden drei zentrale Arten von T.verfahren: (a) Leistungstests: Entwicklungstests, Intelligenztests, Allg. Leistungst., Schult., Spez. Funktions- und Eignungst. (z. B. Berufseignungst.); (b) Psychometrische Persönlichkeitstests: Persönlichkeitsstrukturt., Einstellungst. (Einstellungsskalen), Interessentests, Klin. T.; (c) Persönlichkeitsentfaltungsverfahren: Formdeuteverfahren, verbal-thematische Verfahren, zeichnerische und Gestaltungsverfahren (projektive Tests).

(3) Stat. T. prüfen hypothesengeleitet, ob Datenstrukturen auf Basis eines Zufallsmodells (a) mit hinreichender Wahrscheinlichkeit erwartbar sind (fehlende Signifikanz, Beibehaltung der Nullhypothese) oder (b) eine kritische Wahrscheinlichkeitsgrenze (i. d. R. 5%) unterschreiten (Signifikanz, Annahme der Alternativhypothese). Signifikanztest, Statistik.

Verwendete Literatur

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