Textlernen

 

(= T.) [engl. text learning], [KOG], bezieht sich darauf, wie Informationen aus (vor allem Sach-)Texten aufgenommen, verstanden, behalten und generell zur Wissenserweiterung (Wissenserwerb) genutzt werden. T. impliziert dabei immer eine Wechselwirkung zw. Text- und Lesermerkmalen (Text-Leser-Interaktion). Entspr. wird danach gefragt, welche Merkmale des Textes und welche Merkmale des Lesers das T. beeinflussen. Die Forschung zum T. ist maßgeblich von zwei Forschungsrichtungen vorangebracht worden: (1) der älteren päd.-psychol. Instruktionsps. (Instruktionspsychologie) und der neueren allg.psychol. orientierten Kognitionspsychologie. Die Instruktionsps. hat sich bereits seit Mitte der 1960er-Jahre damit befasst, relevante Bedingungen des T. zu identifizieren und darauf aufbauend Techniken zur Textoptimierung zu erarbeiten. Die Explikation solcher verarbeitungserleichternden Merkmale (z. B. advance organizers, kogn. Gliederung, sequenzielles Arrangieren von Textinhalten) erfolgte unter Rückgriff auf lerntheoret. begründete Merkmale der kogn. Wissensstruktur der Lernenden. Diese Perspektiven wurden ab den 1980er-Jahren durch die neuere Kognitionsps. präzisiert, ausdifferenziert und erweitert. Danach wird das T. insbes. durch eine kohärente Inhaltsorganisation, durch das sequenzielle Arrangieren von Textinhalten sowie die Aktivierung von Vorwissensbeständen erleichtert. Eine kohärente Inhaltsorganisation wird auf lokaler Textebene durch Koreferenz und die explizite Verwendung von Konnektiva sowie konzeptuell-inhaltlichen Relationen, auf globaler Ebene durch Signale, Topic-Indikatoren, typografische Veranschaulichungen u. Ä. hergestellt. Generell gilt, dass T. umso besser und schneller gelingt, je klarer und deutlicher ein Text Hinweise gibt, wie die Textinformationen aufeinander zu beziehen sind und je weniger Kohärenzlücken durch Schlussfolgerungen oder Umstrukturierungen geschlossen werden müssen. Als bes. lernförderlich hat sich eine hierarchisch-sequenzielle Inhaltsabfolge erwiesen. Zur Aktivierung von Vorwissensbeständen sind Vorstrukturierungen sowie die Anreicherung des Textes mit Erklärungen, Spezifizierungen, Bsp. etc. geeignet, weil dadurch ein dichtes Netz von Verbindungen zw. neuen Informationen und dem Vorwissen geschaffen wird. Solche lernrelevanten Textmerkmale sind aber immer auch in Zus.hang mit Lesermerkmalen zu sehen; das betrifft neben dem Vorwissen vor allem auch die Erwartungen und Zielsetzungen, die kogn. Fähigkeiten (Kognition) sowie die verfügbaren Lernstrategien. Diese Wechselwirkung ist sehr eindrücklich am Bsp. des Vorwissens belegt worden. Lernende mit geringen Vorkenntnissen in einem Wissensbereich benötigen für den Aufbau einer kogn. Struktur einen möglichst kohärenten und strukturell transparenten Text; bei Lernenden mit hohem Vorwissen hat ein solcher Text einen eher neg. Einfluss auf die Lernleistung, weil sie eigenständig Vorwissen und Textinhalt integrieren können. Als nicht optimal gilt eine völlige Angleichung von Text- und Vorwissensstrukturen, weil der Text dann keine kogn. Herausforderung mehr bietet. Die Sicherung weiterer stabiler Muster solcher Wechselwirkungen von Text- und Lernermerkmalen stellt eine wichtige Forschungsaufgabe im Bereich des T. dar. Satzlernen.

Referenzen und vertiefende Literatur

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