Tic-Störungen, Psychotherapie

 

[engl. tic disorders, psychotherapy], [KLI], bevor die Indikation zu einer Psychoth. oder Pharmakotherapie (Tic-Störungen, Psychopharmakotherapie) gestellt werden kann, ist eine ausführliche Aufklärung und Psychoedukation zu Tic-Störungen durchzuführen. Ergänzt werden sollte dies durch den Hinweis auf die Selbsthilfegruppen der Tourette-Gesellschaft Deutschland e.V. [www.tourette-gesellschaft.de]. Solche Informationen und Möglichkeiten des Austauschs mit anderen Betroffenen führen zur emotionalen und interaktionellen Entlastung der Betroffenen und ihrer Familien. Psychoth. ist die symptomzentrierte Verhaltenstherapie (mit Entspannungsverfahren) die Intervention erster Wahl. Das Training der Reaktionsumkehr(Habit Reversal) ist recht wirksam und beinhaltet Training der Selbstwahrnehmung, Entspannungsverfahren, Training inkompatibler Reaktionen, operante Konditionierungsmethoden zur Stärkung der Störungsbewältigung. Ziel dabei ist entweder eine teilweise oder vollst. Kontrolle der Tics oder auch das sog. Zurechtstutzen , d. h. zu lernen, die Tics in verringerter Stärke und modifizierter Ausführung kontrolliert zuzulassen, und zwar so, dass der Betroffene sich im Umgang mit seinen Tics sicher, souverän und sozial unauffällig fühlt. Dabei ist das Erkennen von Trigger-Situationen (z. B. Stress, sozialen Begebenheiten, sensomotorische Phänomene) hilfreich für das Gelingen. Exposition und Reaktionsmanagement (Konfrontation mit Reaktionsverhinderung) zeigte sich ebenfalls als wirksam, auch wenn schwere Tics und/oder mehrere Tics gleichzeitig vorliegen. Denn beim Habit Reversal nimmt man sich i. d. R. einen Tic nach dem anderen vor, mit der berechtigten Hoffnung, dass sich der Erfolg, wegen der allg. sich verbessernden Inhibitonsleistung, auch auf andere Tics auswirkt. Für die Nützlichkeit von Neurofeedback gibt es erste Hinweise, gerade bei Pat., die neben den Tics noch eine ADHS aufweisen. Bei diesen Einzeltherapien sollte man stets im Blick haben, wie sich die Tic-Störungen in der familiären Interaktion und im weiteren sozialen Umfeld reflektieren. Nur so können unerwünschte Stressreaktionen mit Auswirkungen auf die Tics, den Schlaf und andere psych. Bereiche vermieden werden. Die Evaluation von Behandlungsmaßnahmen ist v. a. deswegen schwierig, weil die Tics über die Zeit spontan zu- bzw. abnehmen können. Eine Behandlung kann diesen natürlichen wellenförmigen Verlauf in seinen Amplituden mildern, aber nicht grundsätzlich anders gestalten. Von daher kann das Behandlungsergebnis erst nach längerer Beobachtungszeit, d. h. etwa 6 Monaten, wirklichkeitsnah beurteilt werden.

Referenzen und vertiefende Literatur

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