Transplantation, psychologische Evaluation

 

(= T.; = p. E.) [engl. transplantation, psychological evaluation; lat. transplantare verpflanzen], [GES], die p. E. bez. i. R. der Transplantationspsychologie die psychol. Eignungsuntersuchung zur Aufnahme eines Organempfängers auf die T.warteliste. Die p. E. gehört zu den Kernaufgaben der T.ps. und sollte auf evidenzbasierten Kriterien beruhen (Evidenzbasierung). Ziel ist die Identifizierung von Faktoren, die den postoperativen Verlauf neg. beeinflussen könnten. Hieraus sollten unterstützende Maßnahmen abgeleitet werden, die ggf. später eine Aufnahme auf die Warteliste ermöglichen. Der Ausschluss des Kandidaten ist lediglich als Ultima Ratio zu betrachten, wenn z. B. eine fortbestehende mangelnde Adhärenz den Verlust des Organs als hochwahrscheinlich erscheinen lässt. Im Evaluationsgespräch werden standardisiert die psychosoziale Situation, psych. Störungen inkl. einer Suchtanamnese, frühere psychol. Behandlungen und Bewältigungsstrategien (Coping, Krankheitsbewältigung) erfasst, der bisherige Informationsstand über die Erkrankung und die T. erhoben, die Motivation und Entschlossenheit zur T. sowie die mit der T. verbundenen Erwartungen eruiert und das Gesundheitsverhalten des Pat. exploriert. Von besonderem Interesse sind die personalen und sozialen Ressourcen zur Bewältigung der T. und zur Einhaltung der postoperativen med. Erfordernisse. Die p. E. sollte zudem die Notwendigkeit und Inanspruchnahmebereitschaft psychol. Unterstützung feststellen. Bei Bedarf kann sie mit gezielten Interventionen verbunden werden bzw. eine Empfehlung für weitere Unterstützungsmaßnahmen beinhalten. Die p. E. sollte somit dazu dienen, den Pat. und seine Bezugspersonen bestmöglich auf die T. vorzubereiten, und sollte in jedes Transplantationsprogramm integriert werden. Psychische Störungen vor T. stellen keine absolute Kontraindikation dar. Bei fachkundiger Behandlung, guter sozialer Unterstützung und enger Anbindung an das Transplantationszentrum gelten auch psychotische und schwere depressive Erkrankungen (Depression), Abhängigkeitserkrankungen (Abhängigkeit) und Essstörungen als relative Kontraindikationen ähnlich wie Persönlichkeitsstörungen (z. B. Borderline-Störung) und Angststörungen. Inwieweit eine Kontraindikation als relativ oder absolut gilt, bleibt im Einzelfall im Behandlungsteam abzuwägen.

Referenzen und vertiefende Literatur

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