Traum, träumen

 

(= T.) [engl. dream, dreaming], [BIO, KLI, KOG], neben Bedeutungen wie Grenzzustand des Bewusstseins, das Unwirkliche, die Lieblingsvorstellung, das Wunderschöne, bez. T. (in psychol. Sicht) das im Schlaf mit der Deutlichkeit von Sinneswahrnehmungen (Wahrnehmung) auftretende Erleben. T. lässt sich charakterisieren als besondere Form des Erlebens im Schlaf, häufig von lebhaften Bildern begleitet und oft mit intensiven Gefühlen verbunden, an die sich der Betroffene nach dem Erwachen meist nur teilweise erinnern (Erinnerung) kann. Das T. geht sehr wahrscheinlich mit einer veränderten elektrischen Hirnaktivität (REM-Schlaf) einher. Nach einigen Befunden kann aber auch außerhalb der REM-Phasen geträumt werden. In unterschiedlich spezifizierter Weise wird heute angenommen, dass das Träumen einen Beitrag zur Integration des «psychischen Apparates» leistet. Bezeichnend ist die im Laufe der Geschichte wechselvolle Beantwortung der Frage nach dem Wesen. Während in ältesten Zeiten die T.deutung als Kunst bewertet wurde und der T. als Offenbarung Gottes (Bibel), als Sendbote der Götter (Homer), als göttliche Mahnung (Sokrates) aufgefasst wurde, galt der T. zu Beginn des naturwiss. 19. Jhd. nur noch als körperlicher, unnützer und vielfach auch krankhafter Vorgang (Binz) oder als Spiegelung der während des Schlafes empfangenen äußeren Sinneseindrücke (Jenssen) und inneren Körpersensationen, wie z. B. der nicht erloschenen Erregungen der Netzhaut (Wundt). Als erster brach Freud mit der Überschätzung der Körperreize für die Entstehung des T. und formulierte, dass der T. «ein sinnvolles psychisches Gebilde» sei, «welches an angebbarer Stelle in das seelische Treiben des Wachens einzureihen ist.» Er nahm weiterhin die im Bereich des Unbewussten liegenden infantilen Triebwünsche (Triebtheorie) als die energetische T.quelle an. Sie haben die zur T.bildung notwendige T.arbeit zu leisten. Sie bringen zunächst die einzelnen Bestandstücke des T. (die latenten T.gedanken) hervor und verwandeln dann diese in die manifesten T.bilder, wobei sie außer der Umsetzung der Gedanken in Bilder die Leistungen der Verdichtung, der Verschiebung sowie die sekundäre Bearbeitung vollziehen. Diese sekundäre Bearbeitung geschieht dabei im Hinblick auf die Ansprüche des wachen Bewusstseins nach logischer Ordnung und besteht in einer Zusammenfügung der einzelnen T.bilder zu einer sinnvollen Ganzheit und Einheit. Die vorhergehende T.arbeit der Verdichtung und Verschiebung bei der Verwandlung der T.gedanken in T.bilder erfolgt in Hinblick auf den Traumzensor, den Repräsentanten des Über-Ich bzw. der moralischen Instanz im Menschen und besteht in einem Entstellen, Verhüllen und Verbergen des wahren, in den latenten T.gedanken enthaltenen Triebwunsches, sodass dieser in einer moralisch nicht anstößigen und das Ich nicht beunruhigenden Form im manifesten T.bild in Erscheinung treten kann. Dadurch erhält der T. einen Wunscherfüllungscharakter. Neue Einblicke in das T.geschehen brachten die Untersuchungen von Asrinsky und Kleitman, die bei best. EEG-Anzeichen (Elektrodiagnostik, Enzephalografie) ihre Testschläfer weckten und sich ihre T. erzählen ließen. So wurde festgestellt, dass das Träumen regelmäßig jede Nacht und in best. Phasen (REM-Phasen) bei allen untersuchten Personen – auch denen, die angeben, nichts zu träumen – abläuft. Nach unserem gegenwärtigen Kenntnisstand wird die T.entstehung so gedeutet, dass innerhalb der REM-Perioden die ihnen zugrunde liegende psych./geistige Aktivität immer dann besonders intensiv wird, wenn ein momentaner Erregungsanstieg in den visuellen, motorischen und anderen aktivierenden Systemen zu verzeichnen ist. So konnte nachgewiesen werden, dass der Hirnstamm im REM-Schlaf spontan Signale erzeugt, die sensorische Informationen enthalten. Diese Signale stammen aber nicht von Außenreizen wie im Wachzustand, sondern aus eigener Aktivierung. In dem Maße, wie die Sinneskanäle im Kortex durch diese Signale, so wie sonst im Wachzustand durch reale Außenreize, stimuliert werden, werden in ihnen entspr. Wahrnehmungen (Erinnerungen) hervorgerufen. Diese unverschleierten Gedächtnisinhalte werden eigenständig, aber assoziativ miteinander verbunden (Theorie der Aktivierung und Synthese; Hobson, 1990). Die fantastische und kuriose Synthese unvereinbarer Elemente entwickelt sich, weil die Prozesse nicht durch die logischen Regeln des Wachzustandes (Freud sprach von der Kontrolle des Zensors des Ich) kontrolliert werden. Außenreize werden dabei nur schwer integriert und spielen im Wesentlichen keine Rolle beim Auslösen oder Strukturieren der T.erlebnisse.

Referenzen und vertiefende Literatur

Sie sind schon registriert? Zur Anmeldung
Erstellen Sie einen Account um das komplette Literaturverzeichnis einzusehen.