Traumatheorie, psychoanalytische

 

[engl. trauma theory, psychoanalytic; gr. τράυμα (trauma) Verletzung], [KLI], Psychoanalyse; beschäftigt sich mit der Def., der Wirkung und der Verarbeitung von seelischen Traumata (= T.). Ein seelisches T. [gr. Verletzung] kann def. werden als ein Ereignis, das aufgrund seiner Plötzlichkeit und Intensität die psych. Verarbeitungsmöglichkeiten einer Person überschreitet. Traumatisierend wirkt dabei nicht das Ereignis selbst, sondern das dadurch angestoßene Erlebnis und die damit verbundene Reizüberflutung. Insofern ist ein Ereignis immer erst in seiner Beziehung zu einem empfindenden Subjekt mit seiner indiv. Reizschwelle traumatisch. Traumatische Erlebnisse sind verbunden mit absoluter Hilflosigkeit und Verzweiflung, oft auch mit Todesangst – Gefühle, die so überwältigend sind, dass sie die Person zu vernichten drohen. In einer Art Notfallreaktion wird deshalb häufig zunächst die emot. Überforderung eingedämmt, indem die Gefühle «abgeschaltet» werden. Traumatisierte berichten häufig von einem emotionslosen, «glasklaren» Denken. In ihrer Not suchen sie unwillkürlich nach einer mächtigen Person, die Schutz bieten kann. In einer Täter-Opfer-Traumatisierung ist diese mächtige Person i. d. R. der Täter. Durch Unterwerfung und Anpassung an den Täter kann das Opfer sein psych. Überleben sichern – mit der dramatischen Konsequenz, dass dies zur Identifikation mit dem Täter führt. Diese Identifikation mit dem Täter bewirkt dann eine längerfristige seelische Schädigung. Danach wird in einem ersten Verarbeitungsschritt das traumatische Erlebnis zunächst vom Zus.hang mit anderen Erlebnisse abgespalten (Dissoziation), um die gesunden Anteile der Person zu schützen. Das T. wird dadurch zu einem abgekapselten Anteil der Seele mit der Gefahr einer erneuten innerlichen Überflutung. Die wichtigste seelische Verarbeitungsform zur Abschwächung der seelischen Wucht des T. ist die Wiederholung, z. B. in Albträumen. Die Wiederholung hat die Funktion, die überfordernde Erfahrung in geringerem Maße so oft wieder zu erleben, bis das T. integriert werden kann. Die darin enthaltene strukturelle Umwandlung des eigentlich passiv Erlittenen in etwas aktiv Hergestelltes stabilisiert das Ich des Traumatisierten. So kann aus erlittener Überwältigung allmählich wieder Selbstbestimmung werden, ein Prozess, der viele Jahre dauern kann. Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).

Referenzen und vertiefende Literatur

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