Trennungsangst

 

(= T.) [engl. separation anxiety], [EM, EW], Reaktion eines Kindes, nachdem es in einer meist nicht sehr vertrauten Umgebung von der primären Bezugsperson (meist der Mutter; Bindung) für kürzere oder längere Zeit zurückgelassen worden ist. Sie äußert sich in einem mehr oder weniger heftigen Protest gegen die Trennung, dem aktiven Versuch, der Bezugsperson zu folgen, einem Absinken der Stimmung, das bis hin zum Weinen und verzweifelten Schreien gehen kann, sowie in einer Abnahme der Explorations- und Spielaktivität. T. tritt i. d. R. um den siebten Lebensmonat herum erstmals auf und klingt nach dem zweiten und dritten Lebensjahr wieder ab. Ihre Entstehung wird häufig mit der Entwicklung von kogn. Fähigkeiten (Entwicklung, kognitive), insbes. der Objektpermanenz (Schaffer, 1974, Bowlby, 1974) und Änderungen in der Gedächtnisleistung (Gedächtnis, Kagan, 1980) in Verbindung gebracht. Die Tatsache, dass ein Austausch der primären Bezugsperson vor dem Auftreten der T. tendenziell besser möglich ist als nach dem Auftreten, weist aber auch auf einen prägungsähnlichen Vorgang hin (Bischof-Köhler, 1994). T. wird häufig mit der Fremdenreaktion gleichgesetzt (Spitz, 1967), oder es werden für beide Phänomene zumindest teilweise gleiche Entwicklungsvoraussetzungen vermutet (Kagan, 1980). Tatsächlich tritt die Fremdenreaktion aber etwa ein bis zwei Monate nach der T. auf.

Referenzen und vertiefende Literatur

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