Tumorerkrankung, psychosoziale Belastung

 

[engl. tumor (disease), psychosocial strain], [GES, KLI],  der Begriff Tumorerkrankungen (= T., syn. Krebs) [engl. cancer] ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von malignen, d. h. auf unkontrollierbarem Zellwachstum basierenden Erkrankungen, die nahezu alle Organe oder Systeme des Körpers betreffen können und je nach Schweregrad sowie Lokalisation unterschiedliche Prognosen haben. In Dt. erkrankten nach Hochrechnungen des Robert-Koch-Instituts im Jahre 2008 ca. 470 000 Menschen neu an Krebs, wobei die Verteilung und Häufigkeit in Abhängigkeit vom Geschlecht variiert (Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Dt. im Jahre 2012). Es ist davon auszugehen, dass insbes. bedingt durch die höhere Lebenserwartung diese Zahlen in den nächsten Jahren steigen werden. Durch die Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten bei versch. T. konnte insges. eine Verlängerung der Überlebenszeit und bei einzelnen Tumorarten auch eine Verbesserung der Heilungsraten erreichen. Gleichzeitig bedeuten diese Fortschritte für die Betroffenen längere Therapiezeiten mit teilweise aggressiven Behandlungsmethoden, die lang andauernde körperliche und psychosoziale Belastungen nach sich ziehen können. Diese umfassen unterschiedliche psych., soziale und spirituelle Probleme, die sich auf alle Lebensbereiche auswirken und die Lebensqualität einschränken können (Holland et al., 2010). Unter den erkrankungs- oder behandlungsbedingten körperlichen Belastungen stehen Schmerzen, Erbrechen/Übelkeit, Erschöpfung (Fatigue) sowie Schlafstörungen im Vordergrund. Zu den häufigsten psychosozialen Belastungen bei Krebspat. zählen Sorgen, Angst, Depressivität, Funktionseinschränkungen (Activities of Daily Living (ADLs)) und familiäre Probleme. Da auch die Partner und Familienangehörigen stark belastet sind, können in der Folge Probleme in der Kommunikation auftreten, mit neg. Auswirkungen auf die  soziale Unterstützung. Als belastend kann sich auch eine entstehende oder drohende berufliche und soziale Desintegration erweisen. Starke Belastungen können subsyndromal ausgeprägt sein oder die Kriterien für eine psych. Störung nach ICD-Klassifikation erfüllen. Zu den häufigen subsyndromalen Belastungen bei Krebspat. zählen Distress, Ängste und Depressivität (Holland et al., 2010). Die Angst vor dem Wiederauftreten und Fortschreiten der Erkrankung (Rezidiv- oder Progredienzangst) spielt bei Krebspat. eine bes. Rolle. Unter den komorbiden psych. Störungen i. S. der ICD-Klassifikation sind bei Tumorpat. am häufigsten die Anpassungsstörung, depressive Störungen sowie Angststörungen.

Verwendete Literatur

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